Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485946
griechischen Architektur 
Uebet die Polychromie der 
etc. 
279 
Farbenüberzug vernichtet hätte 1). Noch wichtiger dünht uns, in Bezug 
auf das Erechtheum, der Umstand, dass hier der Fries aus dem grauen 
eleusinischen Steine gearbeitet und mit einem Stucküberzuge versehen war: 
dieser Theil also erscheint, im Gegensatz des gesammten übrigen Gebäudes, 
auf eine Färbung berechnet, die, wie sich später ergeben wird, überall an 
den Friesen vorauszusetzen ist 2). 
Wie wenig endlich die WVahrnehmungen einer bestimmten Farbe an 
den grösseren Flächen überhaupt sicher sind, geht schon daraus hervor, 
dass, wie wir oben bemerkten, die Cellenwände des Theseus-Tempels von 
Semper als blau, von Schaubert als gelb gefärbt angegeben werden. 
So lange also kein förmliches Gutachten von Chemikern die Goldfarbe 
der Athenischen Monumente als Rest eines wirklichen Farbeuüberzuges 
anerkannt hat,  und wir bezweifeln, dass ein solches erfolgen wird,  
können wir der erwähnten Theorie nicht beiptlichten. Somit fallen auch 
die etwanigen Gründe, wesshalb die Griechen besonders den Marmor für 
ihre voraussetzlich bunten Prachtbauten gesucht  weil er vollkommener 
zu bearbeiten war, den sonst nöthigen Stucküberzug nnnöthig und die 
Farben glänzender, durchsichtiger und dauerhafter machte  von selbst 
zusammen, Noch unhaltbarer aber ist der Schluss, dass, weil die Griechen 
auf Kostbarkeit des Materials grossen Werth gesetzt, auch das nicht Sicht- 
bare an Gehalt dem äussern Glanze habe entsprechen müssen. Diese 
Annahme scheint nicht sonderlich in der Natur des menschlichen Geistes 
begründet. Uebrigens beweist auch die Erzählung, auf welche Semper zur 
Unterstützung seiner Ansicht hindeutet, dass Phidias nämlich für die Statue 
der Minerva im Parthenon Marmor dem Elfenbein vorgezogen, die Athene;- 
aber letzteres, weil es kostbarer war 3), gerade das Gegentheil; das Elfen- 
bein sollte nicht etwa in die Statue hineingesteckt, dieselbe auch nicht 
einmal massiv daraus gebildet werden; es ward nur als dünner Ueberzug 
über einen anderweitigen Kern gelegt.  Wenn man aber weisse Marmor- 
Tempel geradehin für hässlich erklärt, so ist das eine Sache des Geschmacks. 
Wir können somit nur denjenigen Berichten folgen, welche von einer 
Bemalung einzelner Details an den attischen Gebäuden sprechen. Was 
jedoch deren Acchtheit, in Bezug auf gleichzeitige Entstehung mit dem 
Bau der Monumentepanbetrifft, so wiederholen wir hier mit vollster Aner- 
kennung die Worte Sempers:  dass die gemalten Verzierungen an den 
griechischen Monumenten mit den plastisch auf ihnen dargestellten und 
überhaupt mit dem Ganzen im höchsten, vollkommensten Einklange des 
Charakters und der Ausführung stehen; dass nur aus der besten attischen 
Kunstperiode Bildungen von so trefflicher, genauer und zarter Zeichnung 
hervorgehen konntent).    
Betrachten wir nunmehr die noch übrigen griechischen Monumente. 
1) Göttingischer gelehrte: Anzeiger, 1834, August, St. 140, S. 1390 f.  
2) Ganz unhaltbar ist der Grund, der in den Alterthümern von Athen (Thl. II, 
G. 2, Anm. 41) in Bezug auf die Anwendung dieses eleusinischen Steines ange- 
geben wird: dass man nämlich versucht habe, ihn an die Stelle des them-eren 
Marmors zu setzen und dass er hernach, weil er dem Marmor nicht entsprach, 
mit einem weissen, Marmor-ähnlichen Stuck überzogen worden sei. Dass der 
eleusinische Stein nicht so weiss ist wie der Marmor, musste man fiiglich schon 
vorher gesehen haben.  3) Valerius Maximus l. I. c. I. Extern. Exempl.  
4) Semper, a. a Ü, 5- 19-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.