Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485891
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O 
Antike Polychromie. 
Halbsäulen gebildet, welche ebendaselbst zu den Seiten des Einganges am 
Schatzhause des Atreus standen. Die Bruchstücke der anderweitigen 
Verzierungen, welche diesen Eingang schmückten, bestehen aus grünem, 
rothem und weissem Marmor i). Wir dürfen indess aus diesen Ueberresten 
keinen allgemeinen Schluss auf die spätere Zeit der griechischen Kunst 
machen, indem der nachmals auftretende Dorismus die Formen des gesamm- 
ten griechischen Lebens, und so auch der Kunst, wesentlich veränderte. 
Bemerkenswerth bleibt es übrigens, wie man hier auf die einfachste und 
natürlichste Weise  durch farbiges Gestein  farbige Architekturformen 
hervor-brachte. 
Wir gehen unmittelbar zu den vollendetsten Gebäuden der griechischen 
Kunst, von denen Reste auf unsere Zeit gekommen, zu denen von Attika, 
über. Diese, vornehmlich die Athenischen, sind zumeist von dem schönen 
und weissen Marmor, der in Attika bricht, erbaut; an Gebälken und 
Gesimsen der bedeutendsten von ihnen haben sich, nach den Untersuchun- 
gen und Berichten der Reisenden, deutliche Spuren ehemaliger, durch 
Farben aufgetragener Zierden vorgefunden. Wir betrachten dieselben im 
Einzelnen. 
Monumente 
VOII 
Attika. 
Der Tempel des Theseus. Die verschiedenen Berichte über die 
an diesem Gebäude enthaltenen Farbenspuren betreffen vornehmlich die 
Dekoration des Gebälks im Inneren des Peristyls, wo dessenFriese mit 
Reliefs geschmückt sind. Ausser den Farbenresten, welche sich hier an 
den Figuren der Friese erhalten haben, war der Grund, aus welchem die 
Figuren hervortreten, blau bemalt 2). Darunter eine vorspringende Platte 
mit gemaltem Mäander, getragen von einer Welle mit Herzblättern und 
einem Rundstabe mit Perlen. Ueber den Reliefs springt ein breites Band 
vor, auf welchem ebenfalls ein reicher Mäander gemalt war, beide Mäander, 
wie es scheint, von rother Farbe; über letzterem, von einem überschlagen- 
den und mit Blättern verzierten Gliede getrennt, ein andres breites Band 
zwischen den Balken der Decke, mit einer reizend verschlungenen Palmet- 
ten-Verzierung; hierauf ein mit Eiern bemalter Viertelstab und darüber 
endlich die Cassettirungen der Decke 3). Auch auf dem Grunde der letztem 
hat man dunklere Farbenspuren entdeckt, aus welchen heller gefärbte 
Sterne hervortreten 4). Roth, Blau, Grün und zweifelhafte Spuren von 
Vergoldung sind, nach den neuesten Berichten, die verschiedenen Farben, 
welche in diesen Verzierungen wechseln 5).  Unter dem Halse der einen 
Ante am Postikum (den Säulen in antis zugewendet) hat Hr. Sempcr ein 
Stück des blauen Anstriche vorgefunden"). Er schliesst daraus, dass die 
ganze Cella (es ist nur vom Aeusseren die Rede) blau angestrichen gewesen 
1) Dodwell, tour etc., p. 231. Donaldson, in dem Supplemente zu Stuarts 
Alterthümern von Athen. c. V. VergLK. 0. Müller: die Dorier II, S. 256.  
2) Dodwell, tour etc, Vol. I, p. 364. Semper, Vorläufige Bemerkungen über 
bemalte Architektur und Plastik. S. 48. U. A.  3] Alterthiimer von Athen, 
Thl. III, c, I, T. 8. (Deutsche Ausg. Lief. X, T. 2.)  4) Chandler, 1511111618, V- 
II, c. 14. Museum, Blätter für bildende Kunst, 1833, Nro. 32: Nachrivlmm aus 
Griechenland, nach mündlichen Nachrichten des Hrn. Schaubert, Architekten der 
K Griech. Regierung, zusammengestellt von F. v. Quast. S. 253.  5) Museum, 
e. a. 0. Semper a. a. O.  Ü) A. a. O S. 48.
        

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