Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485886
Ueber 
der 
die Polychromie 
O 
griechischen 
6120. 
Architektur 
273 
die Spuren der Klammerlöcher vorgefunden 1). Immerhin aber zeigen die 
angeführten Bgisplelß eine besondere Vorliebe der Griechen, die Architek- 
tur mit vergoldetem metallcnem Schmucke zu versehen. Die vielen Bei- 
spiele, welche Pausanias von vergoldeten Statuen, Vasen und andren 
Anteiixen über den Spitzen und Ecken der Tempelgiebel erwähnt, bestä- 
tigen dies aufs Entschiedenste. Auch auf den Giebelccken des Parthenon 
haben sich Spuren vorgefunden, welche es wahrscheinlich machen, dass 
der einst an dieser Stelle befindliche Zierrath von Bronze gearbeitet war 2). 
Ebenso scheinen die Reliefs am Friese des Ercchtheums zu Athen, deren 
die bekannte Bauinschrift erwähnt, von Metall gewesen zu sein, da der 
lü-ies glatt ist und nur die Spuren von Klammerlöchern zeigt 3). Andrer, 
wahrscheinlich ebenfalls metallischer Zierden, die an diesem Gebäude ange- 
bracht waren, wird weiter unten gedacht werden.  
Aehnliche Pracht metallischenSchmuckes wird uns von dem grossen 
Nilschiile des Ptolemäus Philopator, einem schwimmenden Palaste, (gegen 
Ende des dritten Jahrhunderts v. C. G.) berichtet. Die korinthischen Kapi- 
täle der Säulen des Hauptsaales waren hier von Gold und Elfenbein gebil- 
det,  vermuthlich die Blätter von Gold und der Grund von Elfenbein; 
der Fries war von Gold mit elfenbeinernen lleliefbiltlern 4). Am choragi- 
sehen Monumente des Lysicrates zu Athen scheint in dem Einschnitte unter 
dem Kapital der korinthischen Halbsatilen ein Bronzering befindlich gewesen 
zu sein, indem die kleinen Schilfblätter, welche hier den unteren Kranz 
der Kapitale bilden, so scharf abgeschnitten sind, dass eine solche unmo- 
tivirte Formenbildung eine, dem griechischen Geiste entsprechende Restau- 
ration erfordert 5). An den Wänden des Jupiter-Tempels zu Cyzieus endlich 
deutete ein dünner Goldfaden als besondre Zierde die Fugen der Steine an 6). 
Ein edler weisser Marmor in seiner eigenthümlichen Pracht  und bei 
schlechterem Material ein Stucküberzug, welcher sich gewiss nicht sonder- 
lich von der äusseren Erscheinung jenes Marmors entfernte  verbunden 
mit bedeutenden goldglänzenden Zierdcn, erscheint uns demnach als das 
Vorherrsehende, wenn wir uns den Eindruck der bedeutendsten Gebäude 
aus der Blüthezeit des griechischen Mutterlandcs vergegenwärtigen wollen. 
Wie weit die Sculpturen an Giebeln und Friesen hiemit übereinstimmen, 
wird sich später ergeben. 
Farbenreste 
an 
Monumenten. 
Bedeutende Reste von farbiger Architektur sind uns aus der fernsten 
Vor-zeit Griechenlands erhalten. Das bekannte Relief der beiden Löwen, 
welches die dreieckige Oetfnnng über dem Löwenthor von Myeenae 
verschließt, besteht aus grünem Marmor, welcher dem grünen ägyptischen 
Basalt verglichen wird 7). Aus demselben Steine sind die merkwürdigen 
 Alterthümiar von Athen a. a. O. Anna. 77, unfi Thl. IlI. c. I, Ar1m_ 5, 
Alterthümer von Attika, c. VI, T. 1-   Alterthumer von Athen, Thl. II, 
C- I, Anm. 32. 1m Ereqhtheion of Aßhmß by H. _W. Imvood, T. XVII, p. 121. 
 3) Altel-ßbümer von Athen, c. II, Anm. 24: Baumschrift (ebendas. abgedruckt) 
Z_ 42  a) Athenäus V, p. 204.  5) Dle Alterphülner von Athen, Thl. I. e. 
IV, T_ V[_ (Deutsche Ausg. Lief. IV, T. 3).  b) Plin. Nut. hist. l. XXXVI, 
 XV_  1) Dodwell: Alcuni Bassirilievi delta Gracia, p. f? und desselben 
Classic. und topogr. tour etc. Vol. II, p. 239. 
Kugler, Kleine Schriften: I. ' 13
        

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