Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485844
Ueber 
die Polychromie 
Architektur etc. 
der griechischen 
269 
Pausanjas berichtet nämlich, bei seiner Beschreibung der Jupiter- 
Statue zu Olympia, dass die Brustwehr, welche die Statue umgab, mit 
Gemälden des Panaenus geschmückt, der Thür gegenüber jedoch ein- 
fach blau angestrichen war  Eine seltsame Idee des Künstlers, der bei 
dem Reichthum des ganzen Werkes nur an dieser Stelle eine plötzliche 
Leere beabsichtigt und die kostbaren Gemälde an die Seiten versteckt 
haben sollte 2)! Künstlerisch vernünftig können wir diese Stelle nicht anders 
verstehen, als wenn wir mit Völkel-i) annehmen, dass die Worte "der Thür 
gegenüber" nicht auf die entfernte Eingangstliür, sondern auf die unmittel- 
bar hinter der Statue befindliche Thür des Opistliodoms zu deuten sind, so 
dass alee an dem hinteren Theile der Brustwehr, wohin wenig Beschauer 
kamen und wohin nur ein geringes Licht fallen konnte, die Gemälde über- 
flüssig waren. Wenn dieser Theil aber blau angestrichen wurde, so liegt 
es nahe. in seiner Farbe eine gewisse Uebereinstimmung mit den umlie- 
genden Wänden der Cella zu suchen; waren diese weiss, so hätte man, 
wie es scheint, die YVand der Brustwchr am Füglichsten ebenfalls weiss 
gelassen. Docli giebt diese Schlussfolgerung, falls sie nicht gesucht erscheint, 
immer nur einen Beweis für das Innere eines Tempels, der freilich zu den 
bedeutendsten des griechischen Alterthunis gehört. 
Dass so wenig Stellen in den alten Autoren vorgefunden werden, welche 
auf die Anwendung der Farbe in der Architektur zu beziehen sind, wird 
von den Bekennern und Vertlieidigern der Polychromie dahin erklärt, dass 
jene eben gar kein Bedürfniss empfunden hätten, ihre Zeitgenossen über 
etwas allgemein Uebliclies zu unterrichten. Immerhin ein Grund, dem man 
im Allgemeinen seine Richtigkeit zugestehen könnte. Wie aber, wenn sich 
in den Alten andere Stellen vorfinden, welche gerade gegen die Polychromie 
 in der Ausdehnung wenigstens, wie sie neuerdings aufgestellt wird,  
Zeugniss geben?  
Es ist schon oft bedauert worden, dass Pausanias, wenn er von Tempel- 
gebäuden spricht, fast gar keine näheren Angaben über ihre Beschaffenheit 
inittheilt. In Bezug auf unser Interesse finden wir nichts als zuweilen die 
Angabe des Materials, aus welchem die Gebäude errichtet waren. Vielleicht 
führt jedoch schon dies auf einige Resultate. Ausser verschiedenen Bau- 
werken, welche aus Ziegeln bestanden 4), erwähnt er des Poros-Steines 
bei dem Jupiter-Tempel zu Olympia und bei der ebendort befindlichen 
breiten Mauer in der Altis, an welcher die Thcsauren sich befanden 5). 
Ziegel und der rauhe Poros machten bekanntlich, um die vollkommene 
Glätte der Mauern und Schärfe der Gliederungen hervorzubringen, einen 
Stllcküberzug nethwendig; und es liegt in der Natur einer allgemeinen 
KüüSt-Entwickelung, dass die mit einem Stucküberzuge versehenen griechi- 
schen Monumente, wie in der Form, so auch in der Farbe ein gewisses 
Verhältnlse zu den aus weissem Marmor errichteten Prachtbauten beobachtet 
haben werden. Was von letzteren zu erweisen ist, dürfte somit mehr oder 
minder auch die Farbe jener erklären- 
Des M arm ors in seiner allgemeinen Bezeichnung als w eissen Stein es 
a) L y, c_ XI, 2,  2) QuatrernIere-de-Quincy giebt in dem Titelblatte seines 
Jupiter Oly1npi671 die Darstellung der thronendeu Statue auf diese Weise.  
K) Archäologischer Nachlass. S. 51.  f) l. II,_ c. XVIII, 3. ib. c. XXVII, 7. 
l. V, a, V, 4. l. X, o. IV, 3. ib. c. ÄXXV, 0-  5) l. V, c. X, 2. Z. VI, v, 
XIX, 1.
        

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