Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485820
Ueber 
der griechischen 
Polychromie 
die 
Architektur etc. 
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vorgelegt und, man darf es wohl sagen, wenigstens unter den Jüngeren 
hiemit einen förmlichen Enthusiasmus erweckt; die Formen der griechischen 
Architektur schienen erst- jetzt verständlich zu werden, erst auf solche 
Weise sich zu einem bewegten, lebendigen Ganzen zusammen zu fügen. 
Freilich mochte man bei dem ersten flüchtigen Eindrueke nicht wohl geson- 
dert haben, wie sich althellenische Gefühlsweise, Sitte und Natur zu dem 
modernen, "form- und farblosen Norden verhalten, welcher letztere eben 
zu seiner Belebung grössere Mittel in Anspruch nimmt. 
Nach diesen Andeutungen finden wir also auf der einen Seite entschie- 
dene Verläugnung und Verwerfung, auf der andern entschiedene Aner- 
kennung und Werthsehätzung der Polychromie. Bei der grossen Wichtig- 
keit, die dieselbe für das Verständniss der gesammten griechischen Kunst 
hat, bei dem bedeutenden Einflusse, den die griechische Kunst auf die 
unsrer Zeit als ihre Schule ausübt und ausüben muss t), scheint eine unbe- 
fangcne Erörterung jener _streitigen Meinungen sehr an der Zeit. Eine 
solche vorzulegen, ist die Absicht der folgenden Zeilen. WVir werden ein- 
fach die Nachrichten der Alten über diesen Gegenstand und die Unter- 
suchungen neuerer Forscher nebeneinander stellen und versuchen, 0b sich 
hieraus ein genügendes Resultat gewinnen lässt. YVir werden Architektur 
und Plastik, die unter sich in einem nothwendigen Zusammenhange stehen 
und eins das andre ergänzen, in diesem ihrem Zusammenhange berücksichti- 
gen, dieselben jedoch, der leichteren Uebersichtliehkeit wegen, gesondert 
betrachten. 
ARCHITEKTUR. 
Zeugnisse 
alter 
Schriftsteller. 
Pausanias erwähnt in seiner Beschreibung von Athen unter den dortigen 
(iterichtshöfen zweier, welche der Grüne und der Rothe nach ihren Farben 
hiessen und denen diese Benennung bis auf seine Zeit geblieben war 2). 
Die einfachste Schlussfolgerung scheint demnach, anzunehmen, dass diese 
Gebäude grün und roth ausgemalt waren. Wenn wir jedoch wissen, dass 
die zehn Gerichtshöfe Athens sämmtlich, wie durch die zehn ersten Buch- 
staben des Alphabets, so auch durch verschiedene Farben bezeichnet waren, 
dass die Anwendung dieser Farben sich, wie es aus den Worten des Pau- 
sanias hervorgeht, aus älterer Zeit herschrieb und für die der Schrift Unkun- 
digen eingeführt war, indem sie, gleich Jenen Buchstabenzerchen, nur dazu 
diente, den einen Gerichtshof von dem andern zu unterscheiden, so werden 
wir eher mit den verschiedenen Ausleger-n dieser Stelle dahin überein- 
stimmen, dass jene Farben nur als ein gewisses Ornament, 61H Abzeichen 
an der Pforte der Gerichtshöfe (oder vor derselben  ein streitiger Punkt, 
dm- für unsre Untersuchung minder wichtig ist) zu betrachten sindß). Wollen 
wir jedoch, da letzteres nicht mit vollkommenster Gewissheit zu erweissen 
 Wir wollen dabei jedoch das Epigramm von der Binde der Leukothga 
nicht; vergessen.  2) Pans. l. I, c. XXVIII 8.  3) Vergl. Siebelis: Pau- 
saniae Graeciae desvr. Adnott. ad. l. I, c. XXVIII, 8, (p, 104; Akerblad; 
Sopm alcune la-mineitc di bronzo etc. in den Atri delP Accadenzia Romana, d'Ar.. 
vhvolugia T. 1, P. I, p. 46 sqq. Raoul-Rochette: De la peinture sur mur 
vhcz Ics anciens im Journal des savczns, 1833, Juillet, p. 440,
        

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