Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483202
in Heidelberg 
Vorstudien 
und, Berlin. 
chend naive Weise mit iigürlicher Darstellung durchdachten. Die Hand- 
schrift stammt zunächst aus Regensburg; eine vorn befindliche ziemlich 
gleichzeitige Notiz benennt als ihren ursprünglichen Besitzer einen Gottfried 
von Lambach. 
Wieder ein sehr charakteristisches Beispiel einer neuen Stufe der mit- 
telalterlichen Kunst gewährte ein einzelnes Pergamentblatt in Folio, welches 
in der" Bibliothek der Kunst-Akademie zu Berlin bewahrt wird. Es stellt 
den Erzengel Michael dar, auf dem Drachen stehend und den Kopf 
desselben mit der Lanze durchbohrend. Hier erscheint das Gepräge des 
germanischen Styles, wie dieser sich in seiner ganzen Eigenthümlichkeit in 
der Zeit um 1300 ausgebildet hatte. Die Gestalt hat einen mächtigen 
Schwung, der Art, dass das sonst Manierirte in den Figuren jener Epoche 
hier ganz wohl mit der momentanen Handlung übereinstimmt. Die Linien 
sind gross und weich geführt, die Züge des Gesichts, bei zierlichst conven- 
tioneller Behandlung des Haares, ganz in dem typischen Gepräge des frü- 
heren Germanismus. Die einfach saubere, in schlichten Tönen gehaltene 
und mit leicht conventionellen Schatten versehene Colurirung des Blattes 
hat leider in Etwas gelitten. 
Für die Fülle naiver künstlerischer Behandlung im späteren Ver- 
laufe des vierzehnten Jahrhunderts gab eine Handschrift des Heilspiegels 
(klein F01.) in der v. Naglerschen Sammlung reichliche Anschauung und 
Belehrung. Hier sind stets je zwei einander gegenüberstehende Seiten mit 
Bildern (zwei auf der Seite) und dazwischen je zwei Seiten mit Text ver- 
sehen. Der Text beginnt: , 
ßDys bouch den rmghelerden luden ist bereyt 
Vnd heyst eyn speigel der menschlichen zelicheit 
Dar an so mach man proyuen durch wat zachen 
Got den menschen zalich wolde machen 
Wu he vo-rderuede van des duuels valsclzeit 
Vnd weder zalich wart von godes barmicheit 
Lucifer irhoif sich teghen syn heilant  
 D0 wart he in de helle vorstoten altzohant 
Dar vmme so wolde got den menschen zachen 
Das he mit em den val mocht weder machen 
Das hasede der duuel ende dacht an sinevn mut 
We her en beirughe daz ducht em wol gut 
 He Icnes vs allen dyrten eyne slangen 
De hat eyns menschen hoift vfricht tzu ganyen 
Dar in so wrachte her tusent liste trogener 
Her sprach tzu dem wibe eyn t-rogenthafte ler 
Vnd versoehte daz wib tzu eirst und nicht den man 
Her vruchtede daz der man im wer tzo cloich dar an 
Her sochte daz wib do he se vant alleyne 
Wem eyn betruget mm bas wen daz ghemeyne 
Also der tubel evan bracht tzu valle 
Dar vmme ir kinder vertumet werden alle. 
 Die Bilder enthalten, mit Ausnahme der ersten zwei Parte, zuerst stets 
eme Darstellung aus der Geschichte Jesu oder seine;- Elteyn, dann drei 
andre aus dem alten Testament, zuweilen auch aus dem neuen und aus 
der weltlichen Historie, diese drei mit Bezug und Anspielung auf jenes
        

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