Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485751
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Berichte 
und Kritiken 
christliche, ihrem Charakter gemäss, konnte diesen Zweck nicht verfolgen; 
der ihrigc war vielmehr geistige Schönheit. Ihr galt kein blosses Sinnen- 
spicl; auf Herz und Gefühl zu wirken, war ihr Bestreben. Dieses durch- 
drang auch die Künstler, die Schöpfer der zur Verehrung Gottes geweihten 
Gebäude, und in ihren Werken suchten sie die sinnliche Schönheit durch 
den Ausdruck des Geistigen zu erhöhen und zu verklären."  Wir wissen 
nicht, wie sich in den Formen der Baukunst sinnliche und geistige Schön- 
heit unterscheiden sollen; sie sind überall auf gleiche Weise sinnlich und 
geistig. Die Schönheit der christlichen Baukunst (der gothischen) lässt sich 
so wenig, wie die der griechischen, durch inhaltlose Worte bestimmen. 
Die Einrichtung des altchristlichen Basilikenbaues, die sich der ange- 
führten Einleitung nothwendig anschliessen musste, hat der Verfasser erst 
später, bei der Betrachtung des gothischen Baustyles, eingereiht. Diese 
Darstellung ist nicht genügend und frei von Fehlern. Wenn der Verfasser 
z. B. sagt (S. 46), dass ursprünglich die Balkenlage des Daches im Innern 
der Basiliken sichtbar gewesen sei, wie es jetzt häufig der Fall ist, so 
widersprechen dem diejenigen Stellen alter Kirchenscribenten, welche bereits 
von d'Agincourt (Ilist. des arts etc. Architecture, p. 124) zusammengestellt 
sind. Noch weniger begründet ist die Annahme (S. 47), dass der Chor 
und der mit Schranken umgebene Platz für die Clerici minores zwei ver- 
schiedene Räume gewesen seien; es ist allgemein bekannt, dass beides ein 
und dasselbe war, wie es noch gegenwärtig zu S. Clcmcnte in Rom zu 
sehen ist. Des Triumphbogens, einer charakteristischen Eigenthümlichkeit 
der grösseren Basiliken, wird gar nicht gedacht. 
Was der Verfasser vor der genannten Einleitung über den byzantini- 
schen Baustyl, vornehmlich über die Sophienkirche zu Constantinopel sagt, 
ist noch weniger genügend. Die, nächst der Kuppelanordnung, höchst eigen- 
thümliche Einrichtung der Tribune mit ihren offenen Seiten-Nischen, die 
ebenso charakteristische Anordnung der oberen Gallerien ist gar nicht, oder 
sehr mangelhaft dargestellt. Der Tadel des Verfassers, besonders über das 
rohe Aeussere dieses Gebäudes, ist unbegründet, indem dasselbe auf seinen 
Hauptseitcn ursprünglich von Säulcngängen umgeben war. Die weitere 
Anwendung des byzantinischen Baustyles im Orient, sein Einfluss auf den 
Occident ist gleichfalls nur oberflächlich angedeutet; S. Vitale zu Ravenna 
(S. 16), S. Marco zu Venedig (S. 8) werden kaum weiter als nur dem 
Namen nach erwähnt. 
Ueber den arabischen Baustyl verbreitet sich der Verfasser etwas aus- 
führlicher; aber er giebt auch hier mehr Einzelheiten als den durchgrei- 
t'enden Ueberblick eines Systemes; vornehmlich fehlt die Bezugnahme auf 
jene merkwürdigen alterthümlichen Bauten, die wir aus der Däscription de 
FEgypte kennen gelernt haben und die für die Anfange dieses Styles so höchst 
wichtig sind. Auf diese, namentlich die Cistcrnen, gestützt, würde der 
Verfasser auch nicht die merkwürdigen doppelten Bogenstellungen, welche 
die Moschee von Cordova bilden, übersehen haben. Gründlicheres über- 
haupt über die arabische Baukunst in Spanien wurde aus dem grossen 
hieher bezüglichen Aufsatze Schorrfs, der vor mehreren Jahren im Tübingcr 
Kunstblatt stand, zu entnehmen gewesen sein. 
Ueber den sogenannt byzantinischen (den romanischen, vorgothischen) 
Baustyl giebt der Verfasser nur flüchtige Andeutungen, indem er hierin auf 
seine früheren Werke verweist. Sehr wichtig für die Geschichte der deutschen 
Baukunst und bisher, soviel wir wissen, noch nicht; bekannt ist die Notiz.
        

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