Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485738
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und Kritiken. 
Berichte 
Die Lehre von den Säulenordnungen der Griechen, abgeleitet von den Monu- 
menten. Zum Gebrauch für ausführende Architekten und zur Belehrung für 
angehende Baumeister in Kürze dargestellt von J. Eduard Hess, König]. 
Prenss. Regierungs-Baux-Condukteur. Magdeburg, 1835. 8. S. 253- 
(Museum, 
1835, 
ln den früheren Werken, welche den im Titel angeführten Gegenstand 
behandelten, ging man insgemein von den Vorschriften des Altmeisters der 
Architektur-Lehre, Vitruv's, aus und suchte auf dieser Grundlage ein festes 
System zu errichten; es ist aber bekannt, wie wenig die erhaltenen Monu- 
mente, vornehmlich aus der Blüthezcit Griechenlands, mit seinen Anord- 
nungen übereinstimmen. Man hat sich neuerdings somit zu den treneren 
und wahrhaftigen Kunden über den reinen Styl der griechischen Kunst 
gewandt; man hat sich die Monumente selbst zum Muster genommen. Doch 
war es, bei der Zerstreuung ihrer Aufnahme in verschiedenen volu- 
minösen Werken und bei der mannigfachen Verschiedenheit ihrer Verhält- 
nisse und Formenbildungen sehr wünschenswerth, hier durch ein Handbuch, 
welches die verschiedene Ausbildung des griechischen Baustyles darstellte. 
zu einer bequemeren Uebersicht zu gelangen. Denn die griechische Archi- 
tektur hat vor der Hand einmal das läürgerrecht bei uns erhalten, und 
jedenfalls ist die aus den einfachsten Verhältnissen hervorgegangene und 
klar durchgeführte Bildung ihrer Formen als die solideste Schule für den 
ansübenden Künstler zu betrachten. 
Das vorliegende Werk erfüllt den ausgesprochenen Zweck auf befrie- 
digende Weise und ist als ein brauchbares Handbuch zu empfehlen. Man 
wird in demselben die verschiedenen Ordnungen der classischen Baukunst 
nach "ihren wechselnden Gesammtverhältnissen, nach der Formation ihrer 
einzelnen Theile bis in das geringste Detail hinab, zugleich auch die 
übrigen bei der Ausbildung der antiken Tempel-Architektur wirksamen 
Umstände in einem klaren und wohlgeordneten Vortrage dargestellt linden, 
Man wird sich desselben sowohl als Leitfaden beim Studium der Monu- 
mente, als auch zum Nachschlagen, um sich über die Besonderheit einzelner 
Fälle zu unterrichten, mit gutem Erfolge bedienen können. Es ist mit 
sorglichstem Fleiss zusammengetragen, und wir bedauern nur, dass dem 
Verfasser einige der neuesten Kupferwerke, namentlich die Architecture 
antique de la Steile von Hittorf und Zanth und die Expedition Scienti- 
jique de Jlloräe von Abel Blouet, nicht bekannt zu sein scheinen. 
Der Verfasser hat eine kurze "historische Einleitung" vorangeschickt 
und kommt auf dieselbe noch an einigen Stellen des eigentlichen Textes 
zurück. Diese können wir leider nicht billigen; es ist hier dieselbe NVillkür 
in der Zeitbestimmung einer grossen Menge von Monumenten, wie sie sich 
in vielen architekturgeschichtlichen Werken vorfindet und wie wir uns eine 
solche jüngst an dem neusten Werk von Stieglitz zu rügen genöthigt sahen. 
Statt vieler geben wir nur ein Beispiel. Das Erechthenm setzt der Ver- 
fasser S. 9 nach der Zeit des peloponnesischen Krieges und vermuthßt dem- 
zufolge (ebenfalls ohne weiteren Grund), dass der Erzkünstler Kallirnachus, 
von dem die merkwürdige Bronzelampe in diesem Tempel herrührte und 
dem Vitruv die Erfindung des korinthischon Kapitals zuschreibt. dessen
        

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