Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485628
Leonardo 
Viuci 
Hugo 
VOLl 
Grafen von 
Gallenberg etc. 
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vielleicht Bedeutendes, doch gesondert, in Anmerkungen und Nachträgen, 
gegeben wäre. Man wüsste sodann wenigstens gleich, ohne Amorettfs 
Buch selbst zur Hand zu nehmen, wo dieser aufhörte und wo der Graf 
Gallenberg anfinge. Da dem jedoch nicht so ist (und es wechseln beide 
Verfasser wirklich auf eine eigenthümlich naive Weise, ohne Beiderseitiges 
irgend zu verschmelzen), so bleibt dem Leser vielleicht die Hoffnung, durch 
sonderlich neue, geistreiche Gedanken entschädigt zu werden?  Aber der 
Leser irrt auch hier; es werden nur gelegentlich einige höchst bekannte 
kunstgeschichtliche Erläuterungen von Sulzer, Fiori-llo, Lanzi u. dergl., nur 
einige Erklärungen Leonarddscher Bilder von Wessenberg, Göthe u. a. 
mitgetheilt. Bruchstücke aus der begeisterten Charakteristik, welche von 
Quandt der Uebersetzung von Lanzi's Geschichte der Malerei in Italien 
hinzugefügt, finden sich zwar auch hie und da eingestreut, ohne dass jedoch 
dieser treftliche, leider so kurze Aufsatz dem Verfasser als Norm zu einer 
irgendwie geistreicheren Darstellung gedient hätte. 
So hat wenigstens der Verfasser, wie er in der Vorrede verspricht, 
„mit der Sorgfalt einer Biene alles, was nur in dieser Beziehung wichtig 
sein konnte," gesammelt?  Auch das nicht. Der Verfasser übersetzt z. B- 
Amorettfs, im Jahre 1804 geschriebene Angabe, dass Leonardos Bild, 
Christus unter den Schriftgelehrten, von „einem Engländer" gekauft worden 
sei, ohne hinzuzufügen, dass das Bild seitdem eine Bauptzierde der engli- 
Sßhßll National-Gallerie geworden ist; er giebt, ebenfalls nach Amoretti, 
das allegorische Bild der Eitelkeit und Bescheidenheit als im Palast Bar- 
bennl zu Rom befindlich an , ohne in der Uebersetzung des Lanzi (die er 
ofters anführt) gelesen zu haben, dass das Bild seitdem in den Palast 
Sciarra Colonna gekommen ist; er erwähnt nirgend der sehr bedeutsamen 
Winke und Angaben, welche v. Rumohr im zweiten Bande seiner italieni- 
schen Forschungen über Leonardo und mehrere seiner WVerke gegeben hat. 
L. s. w. Ja, der Verfasser geht soweit, dass er sogar augenscheinlichste 
Irrthümer Amorettis, ohne darüber wciter nachzudenken, wiederholt. 
Amoretti erzählt z. B., Leonardo habe den Plan gehabt, die Basilika S. 
Lorenzo zu Florenz durch mechanische Vorrichtungen so zu erheben, dass 
durch eine untergelegte Treppe dem Gebäude die nöthige Bedeutsamkeit 
gegeben werden könnte. Bei einem neuen, weitlänftigeu, aus vielfachen 
Coustruktionen zusammengesetzten Gebäude wäre ein solches Unternehmen 
lächerlich gewesen. Vasari berichtet dasselbe von der alten kleinen Tauf- 
kapelle S. Giovanni, einem einfach achtseitigen Gebäude, wobei der genannte 
Plan nur sehr kühn war. 
Endlich ist noch zu erwähnen, dass Graf Gallenberg eine andre, grössere 
Kapiteleintheilung gemacht hat als Amoretti. Wir haben an sich nichts 
gegen diese. Aber Amoretti's jedesmal bedeutende Kapitelanfänge unter- 
brechen nun oft störend den Faden des Textes. Dann finden sich Absätze 
bei Graf Gallenberg, wo der Inhalt des Textes eine enge Verbindung for- 
derte und umgekehrt finden sich Zusammenziehungen, wo Absätze augen- 
scheinlich nothwendig wa.ren. Dies jedoch mag vielleicht dem Setzer zuzu- 
schreiben sein, der wenigstens das Seine gethan hat, um durch eine Masse 
ärgerlicher Druckfehler (denen kein Verzeichniss derselben abhilft) das 
Mangelhafte des Buches zu vervollständigen. 
Verdrehungen wie: Cinnabur, Felibinu , statt: Cimahue, Felibieii, 
werden zwar dem Inhalte nicht schaden, da sie jedermann als solche 
erkennt; dagegen liest man unzähligemal: Lanzi, statt: 'l'anzi, zwei höchst
        

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