Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485597
Berichte 
und 
Kritiken. 
von Baukünstlern den strengen und gewaltigen Brunellesco, den feinen 
nnd gelehrten Alberti u. A.; von Bildnern den sinnigen Ghiberti, den beweg- 
liehen Donatello, den besonnenen Lucas Robbia und ihre Schüler; von 
Malern den tiefen, verschlossenen Masaccio, den lebenslustigen Filippo 
Lippi, den frommen Johann von Fiesole, den düstren Piero di Cosimo, den 
seltsamen Cosimo Rosselli, den alten Perspektiv-Maler Paul Uccello, den 
eifrigen Andreas Verocchi, den grossen Schüler des letzteren, Leonardo da 
Vinci u. a. m.; die Gelehrten Poggio, Guarino und Bruni, Filelfo und 
Ficino, den Stifter der platonischen Akademie. Auf dem Grunde der 
grossen politischen Ereignisse, darunter vornehmlich die Vertreibung des 
Kosmus von Medici und seine Rückkehr den Mittelpunkt bilden, entwickelt 
sich das künstlerische Treiben, welches jedoch zumeist auch als öffentliche 
Angelegenheit gilt. Hier ist es insbesondere die Vollendung des Dombaues, 
die Errichtung der ungeheuren Kuppel durch Brunellesco, welche Sich 
durch das ganze Buch hinschlingt; die Fertigung der Bronzethüren für die 
T aufkirche durch Ghiberti, einer Menge anderer öffentlicher Kunst-Monu- 
mente schliessen sich daran an. Doch auch an geheimeren Beziehungen, 
welche den Charakter der dargestellten Personen weiter entwickeln helfen, 
fehlt es nicht; manch ein zartes Verhältniss geht an uns vorüber und 
namentlich ist für uns in dieser Beziehung die Geschichte des Filippo 
Lippi, seine Entführung der schönen Tochter des Franz Buti und sein trau- 
riges Ende von Interesse. 
Der Verfasser zeigt sich zu einer solchen Arbeit sehr wohl berufen; 
seine Schilderungen und Erzählungen haben Leben, Charakter und meist 
eine sehr erfreuliche prägnante Kürze. So wenig das Buch ein Roman zu 
nennen ist  es will eben nur Geschichtliches darstellen  so verfolgen 
wir dasselbe doch mit gleichem Interesse, wie etwa eine anziehende Dich- 
tung; und selbst wo sonst ein trocknes Aufzählen und Beschreiben von 
Kunstwerken abstösst, da sehen wir hier das Leben des Künstlers in seinem 
Werke, seinen Eifer bis zur Vollendung und die Theilnahme des Schauen- 
den. Treftlich sind die gegebenen Mittel benutzt; man vergleiche die 
Skizze, welche Vasari im Leben des Brunellesco von den merkwürdigen 
Verhandlungen wegen des Dombaues giebt, mit des Verfassers bewegter 
Schilderung zu Anfange des Buches, wo alles Einzelne Fleisch und Blut 
gewonnen hat; meisterlich sind einzelne abgerissene Charakterzüge zu einem 
Ganzen vereinigt. Wir würden dies Buch, wie gesagt, für vollendet in 
seiner Art anerkennen, wenn uns nicht einige Umstände Bedenken erregten. 
Dies sind nämlich verschiedene Verstösse des Verfassers gegen die 
geschichtliche Treue, welche, wie wir glauben, auch bei einer solchen, mehr 
dichterischen Darstellung der Geschichte nicht unberücksichtigt bleiben 
darf. Der Verfasser lässt Künstler als gleichzeitig mit andern auftreten, 
deren Existenz und Blüthe ungleich später fällt, deren künstlerische Eigen- 
thümlichkeit eben durch jene älteren bedingt ist. So tritt z. B. Cosimo 
Rosselli gleich zu Anfange des Buches zur Zeit der Verhandlungen wegen 
des Dombaues (um 1420) auf und zwar bereits dem alchymistisehen Treiben 
hingegeben (was geschichtlich erfolgte, nachdem er bereits seine Haupt- 
werke gemalt hatte und was eben als der Grund der handwerksmässigen 
Manier in seinen späteren Bildern zu betrachten ist), während seine künst- 
lerische Blüthezeit noch in die siebziger Jahre desselben Jahrhunderts fällt. 
So wird ebenfalls Piero di Cosimo, der Schüler des ebengcnannton und 
ein in der Technik bereits sehr yorgeschrittencr Künstler, zu einem Neben-
        

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