Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485555
Kritiken 
und 
Berichte 
in Pavia vorhandenen Kirche S. Micchele gegen das Ende des elften Jahr- 
hunderts fällt; so dass auch schwerlich die Annahme d.es Herrn von Rumohr, 
der wenigstens in ihren Fundamenten longobarrlisehen Bau erkennt, halt- 
bar sein dürfte. 
Von derAbteikirche St. Martin in Köln ferner, welChß iIIlJahre 
977 neu zu bauen angefangen wurde, dürften höchstens die einfachen Pfeiler 
des Schiffes mit ihren einfachen Halbkreisbögen in diese Zeit gehören 
(obgleich auch diese Annahme nicht unzweifelhaft hinzustellen ist). Alles 
Uebrige, vornehmlich aber der ganze Raum des Chores und Kreuzes, den 
der Verfasser für gleich alt hält, gehört nothwendig wenigstens in das 
Ende des zwölften Jahrhunderts, wie sich aus der kunstreichen Anordnung 
des Ganzen, besonders aber aus den zierlichen und überzierlichen Einzel- 
heiten sehr leicht ergiebt. U. s. w.  
Die zweite Rüge, welche zu machen ich mich genöthigt sehe, ist die, 
dass das vorliegende Werk den Zweck haben will, die Entwickelung der 
romanischen Baukunst, vornehmlich in Bezug auf den um 1200 stattfinden- 
den Uebergang in den spitzbogigen Baustyl, nachzuweisen. Allerdings 
zeigen sich hier, am Ende der Periode des genannten romanischen Bau- 
styles (am Ende des zwölften und im Anfange des dreizehnten Jahrhun- 
derts), allerhand eigenthümliehe Ausbildungen und Ausartungen; aber von 
Motiven, welche irgendwie in den germanischen Baustyl hinüberdcutetcn, 
ist fast gar keine Spur zu bemerken. Denn wenn auf die Thürme ein 
Geschoss mehr gesetzt wird, um sie höher zu machen, so hat das eben noch 
nichts mit. dem elastisch Emporstrebenden jenes Styles gemein; und wenn 
die Form des Spitzbogens zufällig, aus Nachahmung anderswo schon vorhan- 
dener Spitzbogenbauten, vorkommt, so ist das eben noch ausser dem orga- 
nischen Zusammenhange, der doch die Hauptsache ist. Zu jenen späteren 
Eigenthümlichkeiten gehören die durchgeführte Nischeneinrichtung, wie in 
der Kirche von Heisterbach, die mannigfachen, zum Theil sehr willkür- 
lichen Fensterformen, die hie und da sogar beinah an Kirchenfenster aus 
der Zeit des Haarbeutelstyles erinnern, u. a. m. Die Rotunde von S; 
Gereon in Köln dürfte vielleicht als das einzige Beispiel jenes Ueberganges 
anzusehen sein; doch ist hier der Spitzbogen wiederum schon beträchtlich 
vorherrschend, die ganze Anlage aber sehr verschieden von früheren und 
späteren Bauwerken. 
Es ist im Gegentheil sehr interessant, zu beobachten, wie sich in diesen 
niederrheinischen Gebäuden eine eigenthümlich abgeschlossene Bauweise, 
die in sich Beginn und Ende hat, ausspricht und von der mittel- und ober- 
rheinischen wohl unterscheidet. Ich möchte sie, in ihrem, mehr in die 
Breite als Höhe gehenden Charakter eine klösterliche Bauweise nennen. 
Die schöne Abteikirche von Laach nur erhebt sich, was wenigstens die 
mitgetheilte äussere Ansicht betrifft, zu freieren, edleren Verhältnissen.  
Es schien nöthig, den geneigten Leser auf diese unhaltbaren Stellen 
des in Rede stehenden Werkes aufmerksam zu machen; um so mehr. als 
der berühmte Name des Verfassers leicht als ein Bürge für die darin 
niedergelegten Aussprüche angesehen werden llfld Sehr bedeutende Verwir- 
rung für die Geschichte der Kunst, oder vielmehr der Kultur überhaupt, 
begründen dürfte. Dass dies geschehen wird, beweist z. B. schon der 
Umstand, dass mehrere Stücke des Textes, namentlich das über die Kölner 
Marienkirche, in das Schornlsche "Kunstblatt" aufgenommen sind, ohne dass 
irgend Zweifel gegen die Gültigkeit der mitgetheilten Behauptungen ausgo-
        

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