Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485519
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und 
Berichte 
Kritiken. 
die Herrlichkeit des deutschen Mittelalters gestiftet, welches einen jeden 
Emllfänglißllefl, vornehmlich aber den vorurtheilsfreien Künstler, zur Bewun- 
derung hinreissen und den, welcher die Kunst in ihrer geschichtlichen 
Entwickelung verfolgt, für viele mühevolle und nicht zu häufig erfreuliche 
Wege in höchstem Maasse schadlos halten muss; denn, was der alten Welt 
der Parthenon, das ist für die neue der Kölner Dom: der Angelpunkt, um 
welchen sich alles geistig thätige Leben der Zeit dreht. 
Die Entwickelung der Baukunst des Mittelalters bis zu diesem glän- 
zenden Culminationspunkte liegt noch immer sehr wenig klar vor uns, auch 
wenn wir, wie es sich gebührt, den schöpferischen Geist des grossen Mei- 
sters, von dem der Entwurf zu diesem wunderbaren Gebäude herrührt, 
anerkennen: die Motive mussten ihm gegeben sein. Mit Dank müssen wir 
daher alle Unternehmungen empfangen, deren Absicht es ist, uns mit den 
Gebäuden vorangehender Epochen bekannt zu machen. Ein solches ist das 
in der Ueberschrift genannte, welches nunmehr vollendet ist und uns eine 
sehr bedeutende Reihe von baulichen Monumenten verführt. 
Die Ufer des Niederrheins von Koblenz bis Cöln sind reich an Gebäuden 
des rundbogigen Baustyles, welchen Hr. S. Boisseree, wie es früher bereits 
I-Ir. Prof. von der Hagen vorgeschlagen, passend den romanischen nennt; 
passend besonders, wenn man dieser Benennung gegenüber die spitzbogige 
Bauart, nach dem Vorschlage des Hrn. von Rumohr, als die germanische 
bezeichnet.  Noch reicher waren jene Gegenden an Gebäuden der Art vor 
den Zerstörungen, welche im Anfange unseres Jahrhunderts durch die Auf- 
hebung so vieler kirchlichen und klösterlichen Anstalten herbeigeführt 
wurden. Gerade indess diese Zerstörungen weckten die Aufmerksamkeit 
des Verfassers, und durch die Theilnahme liebevoller Geschwister und eines 
stets anregenden Freundes unterstützt 1), war er so glücklich, von den wich- 
tigsten der zum Untergang bestimmten Gebäude Zeichnungen zu sammeln, 
und damit 1809 den Grund zu gegenwärtigem Werk legen zu können. Diese 
edelmüthige und's0 höchst nachahrnungswürdige, leider nur so selten nach- 
geahmte Sorgfalt des Verfassers ist hier der Punkt, welcher insbesondere 
den grösstcn Dank aller Vaterlandsfreunde verdient. Nachdem der Verfasse;- 
sieh in den Besitz dieser Messungen und Abbildungen gesetzt hatte, suchte 
er sich dergleichen auch von den merkwürdigsten Denkmalen zu verschaffen, 
welche noch erhalten blieben. 
Das vorliegende Werk enthält eine Auswahl der also entstandenen 
Sammlung, die nicht nur das kirchliche sondern auch das klüsterliche und 
städtisch-bürgerliche Bauwesen, so wie die verschiedenen Künste berück- 
sichtigt, welche dabei mitgewirkt haben: 12 Kirchen (St. Maria auf dem 
Kapitol, St. Martin, St. Aposteln in Köln; Abteikirche zu Laach. zu Heister- 
bach; Kirche in Andernach; St. Quirin in Neuss; Kirche in Sinzig; Münster 
in Bonn; St. Geron, Klosterkirche Sion, St. Kunibert in Köln), 2 Tauf- 
kapellen (St. Martin in Bonn und bei St. Georg in Köln); verschiedene 
Klostergebäude (ausser bei den genannten Klosterkirehen, die Kreuzgänge 
von St. Pantaleon und St. Gereon in Köln, das Kapitelhaus und den Kreuz- 
gang der Abtei Rommersdorf, und die Klostergebäudeder Abtei Altenberg 
bei Köln); 3 Wohnhäuser; das Ehrenthor in Köln; und den mit sauberem 
1) Das in der Ueberschrift genannte Werk widmet der Verfasser, will dank- 
barer Erinnerung," seinem Bruder Melchior, seiner Schwester Marianne 
und seinem Freunde Johann Bertram. 
        

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