Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485500
Denkmale der Baukunst vom 7 ten bis zum 
13ten Jahrhundert etc. 
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der fast alle darauf gesetzten Farben ungemein hebt; dies ergab sich auch 
schon aus der Betrachtung der Pompejanischen Ornamente. Unangenehm 
erscheint uns diejenige Anordnung, wenn zu den verschiedenen Seiten einer 
I-Iauptranke der Grund verschieden gefärbt ist, wenn die zarte, spielende 
Linie, ihrem Charakter durchaus zuwider, zu einer festen Gränzschßidß 
wird. Auch abgesehen von diesem einen, mehrfach wiederkehrenden 
Umstande, würden wir den Architekten mehr ein Studium als eine Nach- 
ahmung der hier vorgelegten Muster empfehlen: sie sind aus besonderen 
Umständen und architektonischen Verhältnissen, aus dem besonderen 
Geschmack einer Zeit hervorgegangen, der nicht überall anklingen dürfte. 
Auch die Stylisirung, zuweilen zwar sehr anmuthig und gefühlt, hat doch 
mehrfach etwas Aengstliches und Unfreies. Der Mittelweg, Welcher in der 
Stylisirung gemalter Ornamente zwischen den strengeren Bildungen des 
Meissels und den freien Naturformen zu halten ist, dürfte nicht überall 
ganz bequem zu erfassen sein.  Ob von gemalten Ornamenten aus der 
Schule jener grossen und edlen Meister des funfzehnten Jahrhunderts, eines 
Brunelleschi, Alberti u. A., vielleicht noch Genügendes erhalten ist? Hier 
wäre gewiss Vorzüglichstes zu erwarten. 
Der farbige Druck in diesen Blättern (von C. Hildebrandt) ist sehr 
sauber und nett, die Farben von angenehmer Kraft und Klarheit; auch im 
Uebrigen die Ausstattung des Werkes empfehlenswerth. 
Denkmale der Baukunst vom siebenten bis zum dreizehnten Jahrhundert 
am Niederrhein, herausgegeben von Sulpiz Boisseree. München, in der 
J. G. Cottzüschen literarisch-artistischen Anstalt. 1833. (Folio. 72 lithogra- 
phirte Blätter, 41 Seiten Text.) 
(Museum, 
1833, 
Der Name Boisseree hat einen guten Klang, wenn es sich um unser 
Interesse an der Kunst deS deutschen Mittelalters handelt. Vieles, was 
uns heutiges Tages als eine gewohnte Erscheinung, als ein alltägliches 
Wissen, oft als ein Bedürfniss bedünken will, verdanken wir lediglich der 
unermüdlichen Sorgfalt dieser edlen Familie für Erhaltung und Wiederher- 
stellung mittelalterlicher Kunstwerke. So war lange Zeit, bis neuerdings 
ein kunstsinniger Monarch jene berühmte Gemaldegallerie zu seinem und 
seines Volkes Eigenthum machte, ihr E2113 8111 Wallfahrtsort für Alle, 
denen deutsche Kunst und deutsche Geschichte am Herzen lag, und in den 
Jahren der Unterdrückung hat manch Einer aus dem Bilderschatz, den sie 
vom Untergange gerettet, Trost und Kraft zum Widerstande gesogen. So 
sind diese Bilder nunmehr, in meist sehr wohlgelungencn lithographischen 
Nachbildungen, der Schmuck vieler deutschen Zimmer geworden, und blicken, 
in ihrer frommen Abgeschlossenheit und Beschränktheit, mahnend in das 
vielfach zerstreute und zerstreuende Treiben der Gegenwart nieder. So ist 
in dem grossen Prachtwerk, welches der Herausgeber des in der Ueber- 
schrift genannten Werkes bereits über den Kölner Dom veranstaltet hat, 
ein würdigstes, Jedermann zugängliches und verständliches Denkmal für
        

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