Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485374
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und 
Berichte 
Kritiker 
Cellinfs Leben ist durch Göthes meisterliche Uebersetzung auch bei 
uns völlig eingebürgert. Doch ist zu bedauern, dass dieselbe, so wie die 
Uebersetzungen anderer Nationen (in's Englische von Thom. Nugelli, 17711 
und von Thom. Roscoe, 1823; ins Französische von T. de St. Mareel, 1822.) 
nur nach einer mangelhaften, zum Theil fehlerhaften Ausgabe veranstaltet 
werden konnte. Die Originalhandschrift nämlich war längere Zeit ver- 
schwunden und die Ausgabe sowohl, welche Göthe vor sich hatte (mit 
dem erdichteten Druckort Köln, eigentlich Neapel, 1728, von Antonio 
Cocchi) als auch die folgenden sechs italienischen Ausgaben (Florenz, Mai- 
land, Pisa, 1792-1824) sind Abdrücke mehr oder minder mangelhafter 
Copieen, welche nur insgeheim und in Eile hatten angefertigt werden 
können, da die frühern Eigenthümer sehr eifersüchtig auf den Besitz des 
Originales gewesen waren. Erst im Jahre 1810 wurde dasselbe von L. de 
Poirot zu Florenz wieder entdeckt und bei seinem Tode, 1825, der Lauren- 
zianischen Bibliothek vermacht. Es ist zum Theil von Benvenutos eigener 
Hand geschrieben, zum Theil von ihm dictirt worden, wie er sich selbst 
in einem Briefe an Benedetto Varchi darüber äussert: "Ich habe dies mein 
Leben mit eigener Hand zu schreiben angefangen, wie man aus einigen ein- 
gehefteten Blättern sehen kann; aber da ich bedachte, dass ich zu viel 
Zeit verlöre, und da es mir eine unmässige Eitelkeit schien, so kam her- 
nach ein Söhnlein des Michele di Goro von der Pieve zu Groppine zu mir, 
ein Kind von ungefähr 14 Jahren, und es war kränklich. Ich fing an ihn 
schreiben zu lassen, und währendieh arbeitete, dictirte ich ihm mein Leben; 
und weil mir die Sache Vergnügen machte, so arbeitete ich viel eifriger 
und brachte viel mehr zu Stande  Dieser Notiz geht ein Sonett vorher, 
welches wir, als bezeichnend für den Charakter dieses merkwürdigen Künst- 
lers, in freier Uebertragung folgen lassen: 
"Ich schreibe dies mein mühereiches Leben, 
Der ich dem Schöpfer schuld" ein jeglieh Gut: 
 Die Seele, die er hielt in sichrer Hut,  
Denn ob ich viel und Kühnes mach? erstreben, 
Stets hat im Unglück Rettung er gegeben,  
Leben, Ruhm, Kraft, nicht wie sich's Jedem thut, 
Sitte, Gestalt, Schönheit und festen Mnth, 
Dass ich mich über Viele darf erheben. 
Nur Eins schmerzt mich im innersten Gemüthe, 
Die theure Zeit, in Eitelkeit verloren:  
Unsre Gedanken führt der Wind von hinnen! 
Doch wert" ich ab solch" ungeziemend Sinnen, 
Ich, ein Willkommner 2) dort wie hier, geboren 
In dieses werthen Toskerlandes Blüthe  
Ein genauer Abdruck dieser Originalhandschrift. durch Francesco Tassi 
veranstaltet, erschien im Jahre 1829 zu Florenz in 3 Bänden in 8. Die 
beiden ersten Bände enthalten das Leben mit Erläuterungen und Varianten; 
der dritte, Decumente, Briefe, Gedichte, die sich auf Cellini beziehen und 
zum Theil von ihm selbst verfertigt sind, meist noch nicht herausgegebene 
Gegenstände, aus der Bibliothek Rieoardi entnommen. Ausserdem ist ein 
1) S. die Vorrede der vorliegenden 
Wortspiel in_ Bezug auf Florenz. 
Ausgabe, 
2) Benvenutxy
        

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