Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485320
Ueb er 
Münchens 
Kunstschätze etc. 
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Deutschlands hieher zusammengebracht wurden, fand sich nicht ein einziges 
Bild, das nach einem andern copirt oder zweimal in der Sammlung vor- 
handen wäre; nur erst aus einer etwas spätern Periode, nach wirklicher 
Entstehung der deutschen Schule  finden sich einige und doch nur 
wenige Copieen." Hier befindet sich ferner für jetzt die berühmfg B018- 
seredsche Sammlung, welche der König von Baiern angekauft und in 
welcher die grössten Kunstschätze der niederdeutschen und niederländischen 
Schule enthalten sind. Der Besuch von Schleissheim, so wie der Moritz- 
kapcllc von Nürnberg, welche, als eine der Filial-Gallerieen von München, 
auch manch ein bedeutendes Bild beider Schulen enthält, wird die beste 
Gelegenheit zu einem gründlichen Studium der deutschen Malerei im Mit- 
telalter geben. Der Verfasser führt uns in dieser Gallerie auf ähnliche 
Weise und mit ähnlicher Gesellschaft, wie in der vorigen, und wir finden 
uns hie und da zu ähnlichen Ausstellungen veranlasst. So fehlt zum Bei- 
spiel ganz eine Erwähnung des hier befindlichen Altargemäldes von Dürer, 
welches von der Baumgärtnefschen Familie in der Katliarinenkirche zu 
Nürnberg gestiftet worden, und dessen einer Flügel (N0. 153) insbesondere 
eins der trefflichsten Bilder dieses grossen Meisters ist. Es stellt einen der 
Donatoren vor; einen geharnischten rothgeklcideten Ritter mit einer Lanze 
in der Hand, vor einem weissen Pferde stehend,  eine Schlucht und 
darüber in der Ferne eine Burg; scharf gezeichnet und leicht, mehr getuscht, 
als wie gemalt; eine eigenthümlich phantastische Gestalt, von überraschen- 
der Verwandtschaft mit dem berühmten Dürefschen Ritter in: Ritter, Tod 
iind Teufel. Statt dessen theilt uns der Verfasser eine philosophische Ab- 
handlung des Dr. Rosenberg übgr die falsche Auffassung von Dürer's Lucrezia 
mit, welches Bild freilich nic its weiter ist als irgend ein Studium, dazu 
dem-Meister vielleicht Frau Agnes gestanden. Ebenso wünschten wir, dass 
in Altdorfefs reichem Bilde, den Sieg Alexanders des Grossen über den 
Darius darstellend, minder des "beispiellosen Fleisses und der höchst schätz- 
baren Ausführung" erwähnt wäre, als vielmehr der wahrhaft grossartigen 
landschaftlichen Anordnung des Ganzen, (so dass das Einzelne nirgend 
störend hervortritt) und der phantastischen Weise, wie in der Ferne die 
weite Landschaft mit Städtß11,_ Plllsseniinrl Gebirgen und der hohe, wolken- 
bedeckte Himmel sichanschliesst, darin auf der einen Seite der Mond auf. 
geht, auf der andern die untergehende Sonne aus einer Wolkenhöhle zurück- 
schaut; Aehnliches kennen wir in neuerer Zeitgiur aus den Bildern von 
Martin; die Sündtluth, der Durchzug der Juden durch's rothe Meer, _das 
Fest des Belsazar u. s. w. Insbesondere aber hätte der Verfasser den in 
Zimmer XVIII befindlichen Gemälden eine grossere Aufmerksamkeit widmen 
müsSeI-L Hier befinden sich die vortrefflichsten Niederländer, und unter 
ihnen verschiedene, deren HQIIPWQYZUä "Vßdßr In lßnef jlberßßrefaltießn 
Pinselführung, noch in jener angstlichen Abschrift eines liochst uninteres- 
santen, nicht selten brutalen Lebens besteht,_sondern die sich mit Humor 
und Laune darüber zu erheben und das Qemeine durch die seltsame Gran- 
dezza, welche sie ihm ertheilen, auf eine lustige Weise zu adeln wissen. 
Unter andern auch hängt in diesem Liminer ein kleines Bild von deni 
jüngel-Qn Teniers, welches wie so manches andere von diesem Künstler 
(und auch manches ron seinem Vater), als ein Vorläufer seines genialen 
ltqeisterstückes, die Versuchung des heiligen Antonius darstellen-d, in der 
Ganm-je des Berliner Museums, zu betrachten ist:  eine Zauberin, welche 
Geiste,- bescinvört, Sie kniet vor einer Lampe und schnürt einem seltsame-n
        

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