Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485188
Kirche 
Die 
Pavia. 
Mjcchele maggiore 
205 
Kunst nach den Monumenten, sowie nicht wenig andere von denen, welche 
über die italienische Architektur in den ersten Jahrhunderten des Mittel- 
alters geschrieben, haben keinen Anstand genommen, zu behaupten, dass 
in unseren Gegenden, während sie der Herrschaft der Longobarden unter- 
worfen waren, eine Bauweise vorgeherrscht habe, die, wenn nicht jenem 
Vene, so doch seiner Zeit ganz eigenthümlich und von dei- bisher hier 
angewandten sehr verschieden sei. Folgendes aber ist der Schluss, mit 
welchem sie eine solche Meinung begründen. Es hat keinen Zweifel, sagen 
sie. und wir wissen es durch den Diakonus Warnefrid 1), dass in Pavia 
seit den Zeiten des Königs Grimoald, gegen die Mitte des siebenten iJahr- 
hunderts, ein 'l'empel oder eine Basilika, dem Erzengel S. Michael gewidmet, 
vorhanden war; und dass derselbe Tempel ebenso gegen die Mitte des 
zehnten Jahrhunderts und um den Anfang des elften 6141811116, da man aus 
den gleichzeitigen Historikern weiss, dass in demselben die Fürsten Italiens 
die Kmne zu empfangen ptlegtenz). Nun sehen wir noch gegenwärtig in 
dieser Stadt eine, San Micchele genannte Kirche, von maiestatischer, alter 
Architektur, deren Styl noch nicht ein gänzlich QOIhISChGI; 151i 2115191611 
aber durchaus fern von der Architektur der Griechen oder liomer, und also 
einer Periode, die in der Mitte steht zwischen beiden Bauweisen, zugehören 
muss. Es wird dies somit ein Gebäude aus den Zeiten der liongobarden 
sein und seine Architektur gewiss ein vorzügliches Beispiel von dem Bau- 
system, welches in jener Zeit und von jener Nation beobachtet wurde. 
D'Agincourt, nachdem er eine Zeichnung dieser Kirche von Pavia, 
zusammen mit jener von Santa Giulia und San Tommaso in limine bei 
Bgrgamo beigebracht 3) und nachdem er dieseGebäude als Beispiele der 
in jener Zeit herrschenden Architektur dargelegt, drückt sich folgender- 
gestalt, in seinem grossen obengenannten Werke, 31151 71111 331113 111111 in 
der Provinz Bei-gaino, welche nachmals den Namen der rrenedischen Lom- 
bardei annahm, finden sich einige ltircheu, die, obgleich man die Zeit 
ihrer Erbauung nicht besiimmt weiss, doch ohne Zweifel von den Lon- 
gobaiden im Sechsten, siebenten oder achten ijahrhundert erbaut sind; sie 
51m1 noch gegenwärtig genügend erhalten, 11111 dlarzuthun, welches ihre erste 
Form und der Styl ihrer Dekorationen warenß Diimuf 319111 91 E1116 Be- 
schreibung diese]. Kirchen und fahrt also fort: "DIESE Gebäude enthalten 
im Allgemeinen die Fehler, welche der Periode deshferfalles der Kunst 
eigen sind; aber die innere Eintheilung, noch mehr die Faeaden, der Styl 
der K3 itäie die Eigenschaft ihrer Ornamente mit liiguren- von Männern, 
m,  p (i Thieren die kaum der Natur ahnlich sind, die Pilaster oder 
Stfägirliieägr die Säuien, die von der Erde bis zum Gipfel des Gebäudes 
nm niäiichei; und die im Inneren von einer Ordnung zur anderen, ohne 
Arfhitrav und Ohne KranZgOSimS übergehen: alle diese seltsamen und miss- 
 u tJn Fi enthümlichkeiten bilden den Charakter emßs Baustylßs, dessen 
äesiäa ein -J gsechsten Jahrhundert vorzuherrschen begann und in den bei- 
dgn räägenleiuän Jahrhunderten sich allgemein ausbreiteteai   x 
Derselben Meinung sind die gelehrten Yerfasser der ifliztzchzta longo- 
bardiche-milanesi 4), und der Cav- 30511111161; 111 Selner Storza di Miianof)? 
nach ihnen, der treiiliclie Verfasser des mda (Z2 Pauza und schliesslich 
1) De gestis Longobardorum. Lib. V. c. 3.  
dgfi anni 950, 1004.  3) D'Agincourt. IIistoire 
chztecture Tab. XXIV.  4) Vol. I. facc. 120.  
2) Muratori. Annali d'Italia, 
de L'art etc. Sectiovz de PAT- 
5) V01. I. facc. 59.
        

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