Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485172
204 
Vorstudien 
ZUT 
Architektur- 
Geschichte 
Schlussfolgen aus ihr auf andere Bauwerke angewandt wurden, ist sie die 
Ursache mannigfacher Verwirrung in Bezug auf die Kunstgeschichte des 
Mittelalters geworden. Erst neuerdings hat ein Italiener, Cordcro 1), ein 
erfreuliches Licht über diese Verhältnisse ausgebreitet. Wir legen unseren 
Lesern die Hauptpunkte seiner Untersuchung über das Geschichtliche dieses 
höchst interessanten Monumentes vor, die ein nachahmungswürdigcs Bei- 
spiel besonnener kunsthistorischer Kritik sind. 
Vorher indess führen wir unsere Leser zu dem Gebäude selbst und 
zwar mit den Worten eines berufenen Berichterstatters, des Hrn. Prof. 
F. H. von der Hagen (in seinen „Briefen in die Heimat," Bd. II, S. 7.] 
„Die Basilika S. Micchele (sagt derselbe) ist ansehnlich, meist ausgeführt 
und wohl erhalten. Der Giebel hat 3 Thüren, sehr reich an Bildwerken, der- 
gleichen auch in vielen wagerechteu Streifen die Wand bedecken, sowie zum 
Theil, von unten auf, die wo_hl nicht ganz fertigen, aus mehren Säulen ver- 
schmolzenen 4 Pfeiler, die zwischen den Thüren und an den Ecken bis zu der 
sehr. flachen Abdachung durchlaufen. S0 erinnert das Ganze, W611 dllröh 11611 
Inhalt mancher Bildwerke selber, auffallend an die mit Hieroglyphen ganz bedeck- 
ten Eingänge der alten Aegyptischen Tempel. Ueber den Thüren sind kleine 
Bogenfenster, darüber ganz runde, und oben am eigentlichen Giebel steigt von 
beiden Seiten eine kleine Säulenstellung mit Bögen bis zum Gipfel auf. Noch 
grösser und prächtiger verziert mit Laubwerk. Blumen und Fruchtgewinden, Vö- 
geln, Greifen u. s. w., ist die Seitenthür am rechten Arm des nur schmalen 
Kreuzes: am Thürbalken ist Christi Brustbild, im Halbrund darüber ein Engel 
mit geöifneten Flügeln. Der hohe Giebel ist aber glatter und hat nur schmale 
Halbsäulen, wie der Chor. Im Winkel zwischen diesem Kreuzesarm und dem Chor 
steht der einfache Thurm mit ähnlichen Säulenstellungen, wie die am vorderen 
Giebel; dergleichen auch am Chor und, in 2 Reihen übereinander, an der aussen 
achteckigen Kuppel umlaufen. Das Innere hat Aehnlichkeit mit dem Züricher 
Münster, darin, dass die beiden Seitenschiffe, durch Theilung in zwei Stock- 
werke, eine Art von Gallerie oder Loge bilden, deren Brüstung die Pfeiler des 
höheren Mittelschiffes verbindet.    Die Pfeiler sind hier aber nicht blosse 
Mauerpfeiler, sondern mehr aus Ecken und Bögen mannigfaltig verbundene Säu- 
lenpfeiler, die abwechselnd an der anstossenden Gallerie in zwei Stockwerken 
absetzen, oder bis zum Gewölbe durchlaufen, und alle die mannigfaltigsten Säu- 
lenknäufe haben, mit Palmen, Vögeln, Schlangen, Menschenfratzen und einer Vor- 
stellung des Siindenfalls. Alle Bögen sind rund.  Ganz ähnlich, nur kleiner, 
ist der Giebel von S. Giovanni in Borgo; die Wand ist aber nicht so reich 
und regelmässig verziert, und nur einzele Bildwerke, wie alte Bruchstücke, ein- 
gemauert. Ueber den drei Thüren ist zunächst, ausser den einzelnen Fenstern, 
noch ein kleiner Sänlengang mit Bögen, die ebenfalls alle rund sind. Sie hat 
kein Seitenschid und Kreuz." 
Folgendes ist, was Cordero im ersten Abschnitt seiner genannten Schrift 
über die in Rede stehende Kirche sagt. 
lud 
"Die SChrifiStßllßr, welche von den Angelegenheiten Pavisüs handeln 2), 
nach ihnen der berühmte d'Agincourt in seiner trefflichen Geschichte der 
 In seinem schon oben 
mm ciurante la dmn-inazio-rze 
1., p, 29. 
erwähnten: Iiagionavnento delß ilaliana Archim- 
Longobardu.  2) Ghisoni. Flaviu Papia. Vol.
        

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