Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485128
die römisch-christlichen 
Ueber 
Bausysteme. 
199 
Byzantinisches 
Bausystem, als eigenthülnliche 
römisch-christlichen. 
Modificirung 
des 
Aber kränze du nun, ehrwürdige Roxna 1), den Kaiser, 
lhn, den Lebenerlialter, das Ziel unsterblicher Hymnen- 
Nicht weil er nun dein Joch auilegte den Völkern der ,Erde, 
Nicht weil er deinem Gebiet unendliche Gränzen gesteckt hat, 
Jenseit änsserster Wälder und rollender Wogen des Meeres: 
Nein, weil er dir im Schooss einen unermesslichen Tempel 
Griindend, herrlicher dich als die Thymbrische Roma gemacht hat. 
Fort nunl fort mit dem Rnhme des capitolinischen Berges! 
Denn mein Kaiser erschuf ein soviel grösseres Wunder, 
Soviel Gott, der lebend'ge, gewaltiger ist als ein Steinbild. 
Pauli Sil. descr. magn. eccl. 
Constantin hatte die kaiserliche Residenz von Rom nach Byzanz ver- 
legt und in diesem Orte, welcher ein neues Rom werden sollte, die Pracht- 
gebäude und öffentlichen Plätze des alten nachgebildet. Byzanz, nach ihm 
Constantinopel genannt, hatte einen kaiserlichen Palast, ein Forum, Säulen- 
gänge, Hallen, Bäder, auch ein Capitol, sammt sieben Hügeln, erhalten. 
Statt der heidnischen Tempel aber waren mit grosser Pracht eine Menge 
christlicher Kirchen erbaut werden 2]; als die ausgezeichnetstcn unter diesen 
werden die Kirchender heiligen Weisheit, des heiligen Frie- 
dens und der heiligen Kraft (ofyiag Zoqitag, äyiug 'EL91jv1;5-, 027m; 
4111111148019) genannt. Wir haben keinen Grund zu bezweifeln, dass sie, 
gleich jenen ältesten Kirchen von Rom, die Form der Basiliken hatten. 
Es war nicht das Verdienst der griechischen Kaiser, dass dieser öst- 
liche Theil des alten Römerreiches nicht, so_wie der westliche Theil, 
andringenden Barbaren gänzlich erlag; die Kaiser waren Creaturen ihrer 
Leibwache oder der Hofränke. Erst. Justilliflll T. (527-565) hatte Willen 
und Kraft, seinem Staate wieder gYOSSCFC Ausdehnung zu verschaffen, den- 
selben durch eine geregelte Verfasßllng zu sichern, der Kunst durch die 
Ausführung würdiger Werke einen neuen Schwung zu geben. Er sorgte 
für den Festungsbau, für den Bau von Wegen und. Dammen, von Kanälen 
und Brücken, er liess eine große Menge von Städte" gründen, wiederher- 
stellen oder verschönern. 
Die Kunst beruhte wesentlich noch, ffäleivh dem Gesammtleben des 
byzantinischen Staates, auf römischen und mimisch-christlichcn Grundlagen. 
Doch bildgte sich neben dem System der römischen Basilika unter Justi- 
nian ein neues für den byzantinischen Kirchcnbau, welches, obgleich in 
Seinen Eieinenten ebenfalls der älteren römischen Baukunst angehörig, den- 
noch dieselben auf eine eigenihümllche lvelse m Verbindung blachte- ES 
enthält dies neue System die Aufgabßi eine Kuppel von gYÜSSCPCII Dimen- 
sionen über vier, durch weitgespannte Bogen verbundenen Pfeilern aufzu- 
richten 3); so dass der unter dieser Kupnel befindliche Raum als Haupttheil 
des Gebäudes, die übrigen als bloss belgeordnete erscheinen. Das baden. 
tendste Gebäude dieser Ai-t ist die unter Justinian neu erbaute Sophien- 
,  0 e1_  2) Vergl. Ciampini III, c. 27 sqq. 
) Oonstantlfl P       
dießes Systemes 1st bermts das laleme Klrchleln S. Nazauo e 
um 440 gebaut. 
 3) Ein Vorspiel 
Celso bei Ravenna,
        

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