Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485108
Ueber 
die römisch 
-christlicheu Bausystenme. 
197 
dieser Zeit, d. h. gegen das Ende des elften Jahrhunderts, wurde die Er- 
richtung dieser Confessioxien, welche die alten Krypten oder Katakomben 
ersetzen mussten. und der Gebrauch, den Boden der Tribune zu erhöhen, 
sowohl bei uns, wie in dem übrigen Europa, fast Regel l)_ 
Damals nun trat die zweite Periode des altgothischen Styles in ltalien 
ein und begann zunächst damit, dass den 'l'ribnnen eine grösserbe-Tjäfg 
gegeben wurde. wodurch die Kirchen das lateinische Kreuz in ausgedehn- 
terer und bestimmtercr Form zum Grundplan bekamen. Und nicht selten 
wurden damals in den Basiliken aus älterer Zeit, die entweder gar keine 
oder eine zu niedrige, dunkle und enge Confession hatten, Erhöhungen der 
Art aufgeführt, ohne dass man bedachte, dass man auf diese Weise die 
ursprüngliche Architektur der Kirche verderbe, dass man die Höhe des 
Bogens der Absiden ausser Vcrhältniss verringere, und dass man endlich 
auf die unschicklichstc Weise einen grossen Theil von den Schäften der 
Säulen, die der Abside zunächst standen, verstecke. Daher sind, nach 
meiner Meinung, diejenigen Kirchen, in denen eine allmählige Erhöhung der 
Art Statt gefunden hat, was auch die Veranlassung gewesen Sei, bestimmt 
älter als das elfte Jahrhundert; um den Anfang dieses Jahrhunderts oder 
später erbaut dagegen diejenigen, in denen eine solche Einrichtung sich 
als gleichzeitig mit dem Gebäude ausweist. Zu den ersten, um hundert 
anderer zu geschweigen, gehören, in Rom: die alten Basiliken S. Giovanni 
e Paolo, S. Pancrazio, S. Grisogono u. s. w.; in Ravenna: S. Apollinare 
in Classe; in Lucca: S. Frediano und S. Michele; in Istrien: die Kathe- 
drale von Pola u. s. w. Zu den zweiten, um nur solcher zu erwähnen, 
die meinem Vorhaben entsprechen, die Basiliken S. Michele rnagiore zu 
Pavia,  Zenonc in Verona, die Kathedralen von Parma, von Modena 
u. s. w. 
Endlich habe ich bemerkt, dass unter den heiligen Gebäudewaus der 
Zeit Karls des Grossen, aus dem neunten und zehnten Jahrhundert, die- 
jenigen noch selten sind, welche im Plan die (iestalt eines vollständigen 
lateinischen Kreuzes zeigen, Obgleich einzelne Beispiele der Art auch in 
den Basiliken der früheren Zeit vorkommen: in den Kirchen von gothigchem 
Styl begann diese Form sich 01'571 flllf dem elften Jahrhundert mehr zu 
Verbreiten, Viel seltener aber war in Jenen Gebäuden noch die Form des 
griechischen Kreuzes oder die runde oder achteckige Form, wenn sie nicht 
etwa zu Baptisterien bestimmt waren:  
Zu jene,- Zeit war, trotz desl3e1sp1eles, welches die Aachener Kirche 
gegeben hatte, der Gebrauch, die Saulen zum blossen Schmuck anzuwenden, 
noch nicht abgeschatft. Damals waren die doppelten Gallerieen in den 
Basiliken noch nicht im Gebrauch oder nur Sehr Selten; man Thßilfe noch 
nicht, nach byzantinischef Manier, Bögen und Fenster durch kleine Säulen 
Drei Absiden waren zwar zuweilen vorhanden, eine am Ende eines jeden 
Schiffes, wie dies noch heute in S. Clemente 1n Rpm der Fall ist, und 
ihnen entsprechend, drei Altäre; diese aber nicht in grösserer Anzahl, wie 
man nachmals, seit dem elften Jahrhundert, eine solche Einrichtung traf. 
Auch war es damals noch nicht Sitte, die ltaqaden mit weiten musivischel, 
a) Vnrmnthlich war der lhpst Pascllalis I; der larste, welcher das Beispiel 
zu einer ähnlichen Erhöhung 1n der Balsxhka b. Mana nlaggiore zu Rom, gegen 
das Jahr 8-20. gab: ut Pontifex consortza populorunz drclinarc potuisset. S_ Ang- 
stasius im Leben dieses PaPSIQS-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.