Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485097
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Vorstudie: 
Arch 
itektur-Geschicl 
pinPs  ebenfalls an den Basiliken dieser Zeit bemerkt, nämlich die, dass 
zuweilen das eine der Seitensehilfe breiter ist als das andre. In der ge- 
nannten Kirche S. Clemente ist das linke Seitenschiif um ein Drittel breiter 
als das rechte. Diese Verschiedenheit, die indess nicht überall gleich ist, 
war bestimmt nicht zufällig; ich habe sie an sehr vielen Kirchen, die im 
Styl dieser Zeit, auch nach dem Jahre 100_O erbaut sind, beSOIV-iCTS in 
Toscana, wahrgenommen. In den Gebäuden des mehr ausgebildeten g0thi- 
sehen Styles hingegen-sieht man diesen Gebrauch nicht mehr, und noch 
weniger in den alten Basiliken aus der Zeit vor dem achten Jahrhundert. 
Procop giebt uns darüber, indem er von den Basiliken seiner Zeit spricht, 
folgenden Aufschluss: „Auf beiden Seiten sind die Portiken (Seitenschiile) 
   deren einer die betenden Männer, der andre die Weiber in sich auf- 
nimmt, im Uebrigen sind sie nicht von einander verschieden  
Weiter habe ich gefunden, dass man sowohl in der Kirche San Cle- 
mente, als in den anderen gleichzeitigen, noch nicht jene sehr bedeutende 
Erhebung des Bodens vor der Tribune bemerkt, die sich nachmals, um 
das elfte Jahrhundert, sowohl in Italien als jenseit der Alpen, in den 
meisten, der zweiten Periode des altgothistrhen Styles angehörigen Gebäuden 
angewandt findet. In den ältesten Basiliken ist die Tribune kaum eine 
oder zwei Stufen über dem übrigen Boden der Kirche erhöht. Später, 
gegen das neunte Jahrhundert besteht die Zahl dieser Stufen schon aus drei 
oder vier, und soviel sind es in S. Clemente. Endlich, mit dem Anfange 
des elften Jahrhunderts stieg ihre Zahl bis auf 10 oder 12; indem man 
damals anfing, den Tribunen eine grössere Ausdehnung als früher zu geben, 
zumeist, um in ihnen den Chor anzubringen. 
Zwei Motive, wenn ich es recht verstehe, haben besonders dies immer 
höhere Anwachsen bewirkt. Einmal war es die blosse Absicht, dem Chor 
oder Presbyterium eine ausgezeichnetere Lage zu geben, es auf dem so 
erhöhten Boden der Tribune dem Altar näher zu bringen und zugleich das 
Mittelschid freier zu machen. Sodann verband sich mit diesem Grunde ein 
anderer, der nämlich, dass man auf solche Weise leichter im Stande war, 
unter dem Altar jene unterirdischen Sanktuarien, die Confessionen, in 
denen man besonders die Reliquien der Heiligen verehrte, mit grösserer 
Pracht und minder tief anzulegen. 
Das älteste Beispiel, welches mir von einem auf solche Weise erhöhten 
und mit dem Bau der Kirche gleichzeitigen Presbyterium oder Tribune vor- 
gekommen, ist iiilä von S. Miniato al monte bei Florenz; einer Basilika, 
die nach dem einstimmigen Zeugniss aller tlorentinischen Geschichtschreiber 
gegen das Jahr 1013 von dem Erzbischof Hildebrand, zur Zeit des Königes 
und nachmaligen Kaisers, Heinrichs Il. gegründet istß), die in demjenigen 
Theile ihrcS Innern, wo sie im dreizehnten Jahrhundert nicht verändert 
Wßfdeü iSi, sich noch wenig von der von S. Clemente unterscheidet 4). 5 
Nach der Basilika S. Miniato zeichnet sich in Italien durch diese Ei- 
genthümlißllkßit die alte Abteikirche von Montecasino aus, die bekanntlich 
im Jahre 1066 von dem Abt Desiderius gegründet wurde 5); hier waren es 
SCiloii 3911i Stufe", auf denen man zum Hauptaltar emporstieg 6). Nach 
1) Ciampini. Vet. wnoninz. V. 1, p. 16. Maffei. Verona illust. p. III, e, 3. 
 2) Procop. De acdißci-is Justiniani. In orat. I.  3) Machiavelli. 
Storie jiorentine, Lib. I.  4) dylgincourt. T. XXV. n. 23.  5) Leo Hast. 
Chron 1110m. Oasin. L. III, c. 28. bei Muratwi R. It. Scr. v. IV.  6) E-rasmi 
Gattola Hist. Abbat. Oasin. v. I, p. 164.
        

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