Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485083
die rö 
Ueber 
nisch-christliclnex 
ausystex 
Dann ist es mir aufgefallen, dass, wenn man in den Basiliken von 
Ravenna und in anderen Gebäuden des fünften oder sechsten Jahrhunderts 
alle Kapitale, oder wenigstens den grössten Theil derselben, nach orienta- 
lischer Art, wie die der Sophienkirche oder die von S. Vitale  gebildet 
sieht, dies nicht bei den Basiliken der anderen italienischen Städte aus der 
in Rede stehenden, späteren Periode der Fall ist; in der Regel gehören 
hier die Kapitale, wie sie auch  wenn nicht vielleicht selbst YVerke 
aus besserer Zeit  roh gearbeitet sein mögen, irgend einer Ordnung der 
römischen Architektur an, zumeist der korinthischen oder der componirten. 
Die der Basilika S. Clemente sind alle ionisch und wahrscheinlich älter 
als das Gebäude. Die Kathedrale von Pola zeigt zwar in diesem Umstande, 
so wie in der schon ein wenig zur Spitze sich neigenden Form ihrer 
Bögen 2), einige Ausnahmen; aber man muss bedenken, dass diese Stadt zu 
jener Zeit noch mehr griechisch als italienisch war.  
Ausser den Kapitälen und den Kranzgesimsen sieht man selten Sculp- 
turen in den Kirchen des neunten und zehnten Jahrhunderts; und wenn 
deren einige vorkommen, wie die an den Schranken in S. Clemente, so 
sind sie entweder in maurischem oder orientalischem Geschmack, oder in 
jenem Styl, welcher Verschlingungen, Blätter und andere ähnliche Arabesken 
in sehr flachem Relief bildet und besonders zur Zeit der Longobartlen, im 
siebenten und achten Jahrhundert, angewandt wurde. Sculpturen, die in 
der That, was ihren Styl anbetrifft, nicht durchweg zu verachten sind; die, 
wenn sie einerseits auch nicht mit den Antiken verglichen werden dürfen, 
andererseits doch bei weitem weniger barbarisch und roh sind, als wie jene 
gräulichen Fratzen von Ungeheuern, Menschen und Thieren, die, vom elften 
Jahrhundert ab, so häufig zuz Verunstaltung der Dekorationen in den hei- 
ligen Gebäuden dienten; Darstellungen, um derenwillen, im Anfange des 
zwölften Jahrhunderts, der heilige Abt Bernhard in einem Briefe an den 
heiligen Abt Theodor grosse Beschwerden erhob. Andre jedoch, die die- 
selben als Symbole betrachteten, unter deren Schleier die geheimeren Wahr- 
heiten der Religion ausgedrückt seien, waren minder streng in ihrer Ver- 
dammunga). Wenn dies von einigen Jener Darstellungen in Wahrheit 
gesagt werden kann,  so von der otfenen oder halbgeschlossenen Hand, 
von den Thieren und Menschen,_d16 VOH Ungeheuern verschlungen werden, 
von jenen Labyrinthen, die, mlt ßliltsllYeChellden Deischriften, häufig beim 
Eintritt in die gothischen Kirchen vorkommen, wie man deren Z_ ]3_ noch 
in der Kathedrah von Lueca, in denen von Strassburg und Amiens sieht, 
früher auch in der Kirche von San Michele zu Pavia 4); so ist doch ohne 
Zweifel der grösste Theil dieser Sculpturen nichts weiter, als abenteuer- 
liche Phantasiegn von rohen Künstlern der Zelt. 
Eine andere Eigenthümlichkeit habe ich, nach der Angabe Ciam- 
1) dfitgineourt a. a. o. T. Liiix n. s: 9.  2) düäginconit. T. LXV. 
 3) So findet sich Jolgende Stelle blii den Yorsehiiften, welche der heilige Erz- 
bischof Oarl Borromaeiis in seiner vierten Pmvlnßial-Synode über den Kirchen- 
bau erlassen hatte: Ubi ustium sclflllfuTQ llfümnn ornavi debet exemplo templi 
Sulgmunig, qui in basibus illOS SCWPI Jusflß W PTae-Sullfm indicaret vigitanliam. 
 4) Das Labyrinth der Kirche von Pavia. War von BBIIDVBISEII begleitet, z. B.: 
Theseus intravil monstwmque biforme nccamt.  Ciempiiii. De sacris aedif. 
Q IV, p_ 1Q9_ Vom Tlieseiis spricht ebenfalls die Beisnhrift des zu Lucea be- 
findlichen. S. Guida di LllCßai facc- 27-
        

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