Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485076
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Vorstudien 
ZUI 
Architektur-Gesclnichte. 
welchem der Chor mit seinen Kanzeln eingerichtet werden sollte, über den 
andern zu erhöhen. 
Der Boden der alten Basiliken hingegen, die vor dieser Zeit erbaut 
waren, lag bis zur Confession oder bis zur Tribune durchaus in einer und 
derselben Ebene, ohne Stufen und Erhöhungen irgend einer Art. Und 
wenn wir heutiges Tages dergleichen in jenen Gebäuden bemerken, S0 
können wir es bestimmt als spätere Umänderungen, der veränderten kirch- 
liehen Disciplin entsprechend, annehmen. Dies erhellt zur Genüge aus 
dem Umstande, dass in diesen alten Basiliken, gerade da, wo solche Er- 
höhungen nachrnals hinzugefügt worden sind, die Basen der Säulen, oder 
selbst ein Theil der Schäfte, auf tingehörige Weise eingegraben erscheinen. 
Die Beispiele von Veränderungen der Art sind übrigens nicht selten. 
Ich habe sodann bemerkt, dass man in den Peristylen dieser Kirchen 
anfängt, Pfeiler an die Stelle der Säulen unter die Bögen zu setzen; aber 
Pfeiler von einfach viereckiger Form, ohne Streben, Pilaster oder Halb- 
Säulen; sehr verschieden von jenen so seltsam gebildeten und zusammen- 
gesetzten, welche später, gegen das elfte Jahrhundert, in der zweiten 
Periode dieses altgothischen Styles in Gebrauch kamen. So wurden diese 
Kirchen zum Theil bereits des vornehmsten, oder vielmehr des einzigen 
Schmnckes, der ihnen in diesen Tagen der Arrnuth noch übrig geblieben 
war, beraubt,  ich meine, der Säulen. 
Im Anfang waren dieser Pfeiler nur zwei; soviel und nicht mehr sieht 
man in der Basilika S. Clemente und in fast allen anderen oben genannten. 
Diese Pfeiler befanden sich an der Stelle, wo die erwähnte Stufe den An- 
fang des Presbyteriums bezeichnete. Von da ab ward die Zahl derselben 
nach und nach vermehrt; so dass man, vom elften Jahrhundert ab, in der 
zweiten Periode des altgothischen Styles, als die mittelmässige Grösse der 
früheren Kirchen nicht. mehr genügte und weitere und geräumigere Tempel 
und Kathedralen verlangt wurden, die Anwendung der Säulen fast gänz- 
lich unterlassen musste; denn oft wäre es unmöglich, stets zu kostbar 
gewesen, Säulen von solcher Festigkeit, dass sie ihrem Zwecke genügt 
hätten, anzuschaffen. Pisa zwar und einige wenige andre Städte haben 
solche Wunderwerke unternommen. 
Ferner habe ich bemerkt, dass es gegen das neunte Jahrhundert mehr 
als früher in den Gebrauch kam, Gewölbe an die Stelle des hölzernen 
Täfelwerkes oder des einfachen oiienen Sparrenwerkes zu setzen, mit 
welchem die ältesten Christen in ihren Basiliken zufrieden waren. Auf 
diese Weise wussten die Architekten jener Tage die übertriebene Höhe der 
über den Bögen der Peristyle befindlichen Mauern zu verringern und ihren 
Gebäuden bessere Verhältnisse zu geben; wenn sie damit nicht zugleich 
der Solidität und jener erhabneren Pracht Eintrag thaten, welche letztere. 
abgesehen von den Regeln des reinen Geschmackes, stets in der ostiensischen 
Basilika ausserhalb Emu's (S. Paolo). in S. Apollinarc in Classe. in S- 
Fredianß Zll LHCCII u. s. w. den Beschauer ergreift. Im Orient indess war, 
wie CS Scheint, der Gebrauch, die heiligen Gebäude, besonders ihre Seiten- 
Sßhülußi mit Gewölben zu bedecken, schon zur Zeit des Justinian allgemein, 
da Procop, in seiner Abhandlung über die von diesem Kaiser errichteten 
Gebäude, ausdrücklich sagt, dass sie mit Gewölben bedeckt waren  
 Quas fastiyiata 
Justivriani. In Oral! I. 
testudo 
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venustant. 
de 
aedificiis
        

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