Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485067
Ueber 
römisch-christlichen 
die 
Bausysteme. 
193 
in vielen Gebäuden des elften, sogar noch des zwölften Jahrhunderts, die 
zu der ersten Periode des altgothischen Styles gehören, so enge Fenster 
sieht, dass sie, durchaus wie lange schmale Schiessscharten, zwölf- oder 
sechzehnmal so hoch wie breit sind.  
Dieser Gebrauch wurde übrigens nicht nur in Italien, sondern auch in 
dem gesammten übrigen Europa eingeführt; und obgleich die Kirchenfen- 
ster bei der Veränderung, die der altgothisehe" Styl um den Beginn seiner  
zweiten Periode erlitt, ein wenig von ihrer ursprünglichen Grösse wieder 
erlangten, so sieht man doch Fenster von der, bei den ältesten christlichen 
Basiliken gebräuchlichen Weite nicht eher als an den Gebäuden des neu- 
gothischen Styles. 
Ich weiss nicht, woher eine solche Liebe zur Dunkelheit bei uns in 
diesen Jahrhunderten (ler Verderbniss entstanden ist. Indess zeigen sich, 
zur Zeit des Justinian, die Fenster der Sophienkirche zu Constantinopel 
bereits von entschieden kleinerer Gestalt; und in unseren Kirchen gab zu 
jener Verengung, zu jener Schiessschartenform der Fenster, vielleicht die 
Seltenheit oder der Mangel des Glases und der durchsichtigen Steine, mit 
denen sie verschlossen und die Tempel vor dem Wetter geschützt werden 
konnten 1), die Veranlassung gewiss mehr, als das Bedürfniss der Sammlung. 
Ausser den Fenstern aber sind an den Gebäuden des achten, neunten 
und zehnten Jahrhunderts noch verschiedene andere Eigenthümlichkeiten 
zu bemerken, die nicht minder zu ihrer Unterscheidung von den älteren 
dienen. Ich, will sie in derselben Ordnung aufzählen, wie sie sich mir bei 
solchen Untersuchungen dargethan. 
Zuerst also bemerkte ich in fast allen italienischen Kirchen nach Karls 
des Grossen Zeit den Boden vermittelst einer Stufe in zwei Theile geson- 
dert; diese Stufe belindet sich ungefähr in der Mitte der Kirche, bei dem 
Anfang der Schranken, die den, 1n der Mitte des Hauptschitfes, vor dem 
Altar, gelegenen Chor einschliessen. 
Bei dem Bibliothekar AuastaSHIS, der, in seinen Lebensbeschreibungen 
der Päpste, doch so oft der römischen Kirche und ihrer einzelnen Theile 
erwähnt. finde ich der Cl1öre,_ dm auf eine Solche Weise gestellt und mit 
Schranken umgeben waren, 111cm V01" der Zeit des Papstes (äregor IIW gegen 
die Mitte des achten Jahrhunderts, erwähllfa; während im Gegentheil, 
unter dem Pontifikat des Pfachtllebelldeu Hadrian I. , des Freundes von 
Karl dem Gmssen, und unter Selflßm Nachfolger Leo IlI., die Erwähnung 
der Chöre oder Presbyterien, Wülche entweder VOII diesen Päpsten neu ein- 
gerichtet oder mit Schranken von Marmor und Erz umgeben wurden, sehr häulig 
ist 3). Mir ist es somit sehr wallrSchelllllßil, dass Vdamals der Gebrauch 
jener Stufe eingeführt worden -se1, um (lenJenigen lheil der Kirche, in 
 a) In basilica conslantiniana D. _N. Jesu Oh. fenestras de absida er um 
dvuersis coloribus conclusit, et decoravzt, et alias fenestras basilicae ex  t lo 
      n 
cyprano reparavzt. Anast. bzbl. m mla Lenms III, p, 405g  2) Hie (G ü lo 
rius) P, P. concessas sibi columwas sva: onyclzinas volubiles ab Fut h_ 1'890- 
duxit eas in ecclesiam B. _Pf[11' Ap; quas statuit circa praesbitraiaä; z? texarcu 
fessionem    juxta alias antiquas sex lithoprzrias, supra guas posuit L"; con- 
vcstivi! etc. Anast. bibl. in vita Gregorii II. m 194. _4  Fecü et 31a eS; fit 
praesbiterio a parte virorum et mulierum    . nec non et alias rugas 1,21231  
pvraesbiterii ante confesszonevn .    rugas in ingressu praesbiterii 1b in Ift 
Hadriani 1. n. 349 et 361.    1" a 
Kuglcr, Kleine Schriflvu. l 13
        

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