Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485034
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Vorstudien 
Architektur- 
Zllf 
Geschichte. 
Diese Giebelscite über dem Portikus war, als die Haupt- und Eingangs- 
seite des Gebäudes, vor den langen Seiten ausgezeichnet, zuweilen mit 
musivischen Gemälden verziert. 
G10 cken-Thürme waren den Basiliken ursprünglich nicht eigen 
da ihr Gebrauch beim christlichen Gottesdienst erst mit dem achten Jahr; 
hundert herrschend wurde. Die alten 'l'l1ürme an den römischen Basiliken 
welche zumeist dem neunten Jahrhundert angehören, sind in Einem Style 
gebaut, viereckig, anstatt der Fenster mit kleinen, von Säulen gebildeten 
Arkaden in mehreren Stockwerken übereinander, und mit niedrigem Dach. 
Sie stehen stets an der Vorderseite der alten Kirchen (zuweilen unabhän- 
gig neben denselben), zur Rechten, wenn die Tribune gegen Morgen, zur 
Linken, wenn dieselbe gegen Abend liegt. 
Verschiedene Kapellen (Oratoria), von viereekiger Form  meist 
mit einer eigenen kleinen Tribune,  von runder Form, insbesondere 
Taufkapellen, kleinere Basiliken, Klöster und andere Gebäude wurden im 
Verlauf der Zeit neben den grösseren Basiliken errichtet. Dahin gehören 
auch die Triclinien, grosse Säle mit einer oder mehreren Tribunen 
oder Nischen, zur Bewirthung der Pilger, zur Feier besonderer Agapen 
(christlicher Liebesmahle) u. s. w. 
Die Form der Basilika war indess nicht als so unbedingt wesentlich 
bei dem Bau der christlichen Kirchen angenommen worden, dass man nicht 
auch andere der vorhandenen Formen benutzt hätte. Dies ergiebt sich 
schon durch den Umstand, dass man auch heidnische Tempel ohne Wei- 
teres zu christlichen Kirchen weihete 1). 
S0 war die Form der Rotunde verschiedentlich bei dem Bau christ- 
licher Kirchen angewandt. Doch bediente man sich hier, um einen grös- 
seren Raum zu gewinnen und zweckmässig zu beleuchten (denn zu einer 
Kuppel von der Ausdehnung des Panthcons fehlten zumeist Mittel und 
Kräfte) eines ähnlichen Ausweges, wie bei der Basilika: indem man näm- 
lich die Wände eines mittleren Raumes, die von einer kreisrunden Säulen- 
stellung getragen wurden, cylinderförmig über das Dach der Seitenräume 
erhob und mit Fenstern versah. Dieser mittlere Raum erhielt in der Regel 
ein Kuppelgewölbe; doch erscheint er auch, gleich der Basilika, nach 
gedeckt. 
Unter den Gebäuden dieser Form war die runde oder achteekige 2) 
Taufkirche (Baptisteriztm) das wichtigste. Baptisteriumß) ist der Name 
des Schwimmteiches in den Thermen der Alten; warme Schwimmteiche 
waren in Rom seit Mäcenas gebräuchlich. Sie hatten eine runde oder acht- 
ßßkige Form, um durch ihre grossen Fenster möglichst viel Licht und Sonne 
allflllllehmen- Diese Räume schienen den Christen zur Ausübung der 
Taufceremonie, welche zu Anfang bekanntlich in völligem Untertauchen 
bestand, geeignet; man widmete deren zu diesem heiligen Gebrauch, man 
1) Dahin gehört insbesondere das Pantheon, welches um 610 als S, 
Maria ad mßYtYfßS geweiht ward.  z) Die wiederkehrende Achtzahl bei christ- 
lichen Taufkirchen und Taufsteinen hat eine mystische Bedeutung in Bezug auf die 
Auferstehung ChTiSti am Sten Tage, d. h. am ersten Wochentage nach dem Sab- 
bath (Siebenten). S. von der Hagen: Briefe in die Heimat, IV. S. 293.  3) Hin; 
a. a. O. IlI., S. 243-
        

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