Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485000
Ueber 
Bausysteme. 
die römisch-christlichen 
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Basilika und die Bestimmung, welche ihnen durch Kirclienzucht und 
Liturgie gegeben wurde. 
Vor dem eigentlichen Gebäude (und namentlich bei den grösseren 
Basiliken) befand sich in der Regel ein Vorhof (Atrium, Paradisus, Qua- 
driporticus) in der Form eines Vierecks, so breit wie die Vorderseite der 
Kirche; ringsherum mit Hallen umgeben, die nach aussen durch eine Mauer, 
nach innen durch Säulenstellungen oder durch Arkaden gebildet wurden 
Vor dem Eingange in den Vorhof stand ein Vestibulum (Prothyrum), 
ein Vordach, von 2 oder 4 Säulen getragen. In der Mitte des Vorhofes 
ein reich verzierter Brunnen (Cantharus) zum Waschen der Hände, bevor 
man die Kirche betrat,  als Symbol für die Reinigung der Seele (das 
heutige Besprengcn mit Weihwasser). Zugleich diente der Vorhof als Auf- 
enthalt für die Büssenden (Lugentes, Pwnitentes), so wie zum Begräbniss- 
platz für vornehme Personen. -Ein Theil dieses Vorhofes hat sich bei den 
meisten alten Kirchen als Porticus (in antis) erhalten. 
Das Innere der Basilika schied sich in zwei I-laupttheile, deren vor- 
derer, der griissere, für die Laien und niederen Geistlichen, der kleinere 
für die Priester und den Altardienst bestimmt war. Der vordere Theil 
(Aula, Templum), durch verschiedene Thüren, deren mittlere die könig- 
liche (Porta regia) hiess, mit dem Portikus verbunden, wurde der Länge 
nach durch 2, zuweilen 4, Säulenreihen in 3, zuweilen 5, Schiffe (Naeis, 
Deambraoulztvn) getrennt. Die Säulen waren meist ungleich, Spolien 
verschiedener antiker Gebäude; über ihnen ruhten, von Halbkreisbögen, 
zuweilen von geradem Gebälke, getragen, Mauern von nicht unbeträchtlidher 
Höhe. Bei den Bogenstellungen blieb die Entfernung der Säulen vonein- 
ander zumeist noch dieselbe engere, welche durch das gerade Gebälk 
gebräuchlich geworden war. Die Bögen, mit oder ohne Einfassung der 
Archivolte, setzten in der Regel unmittelbar über dem Kapital auf; erst später 
wurde, was bei der Verbindung von Bogen und Säule nothwendig ist, 
ein Aufsatz über dem KaPltäli als Kämpfer (Irnpost) für den Bogen, allge- 
mein. Ueber den Bögen lief ein gerades Gesims in horizontaler Richtung 
hin. Ihr Widerlager fanden die Bögen an hervortretenden Wandpfeilern 
oder, wenn ein Qucrschitf vorhanden war, an selbständigen starken Pfei- 
lern. Die Seitenniauern des breiteren Mittelschitfes, in der Regel mit 
Gemälden oder Mosaiken geschmückt, erhoben sich soweit über die Seiten- 
schiffe, dass die Dächer der letzteren an denselben eine Widerlage finden 
und dass Fenster, zur Erleuchtung des Mittelschiifes, in ihrem oberen 
Tlieil angebracht werden konnten. Eine Gallcrie über den Seitenschilfen, 
durch eine zweite kleinere Säulenstellung gebildet, deren Dasein Vitruv 
in der antiken Basilika als Regel angiebt, kommt in der christlichen selten 
vor. Bei der fünfschifiigen Basilika {wurden die Wände, welche über den 
Säulenreilien zwischen den äusseren und. inneren Seitenschilfen ruhten, 
fensterartig durchbrochen. Das äussere Seitenschiff war ein wenig nied- 
riger als das innere, beide hatten ein gemeinschaftliches Dach. Das Quer. 
schiff war mit dem mittleren Langscliilf gleich hoch. Die Fenster in den 
Seitenwänden, deren Anzahl den Zwischenräumen zwisehm den Säulen 
und Wandpfeilern im Innern entsprach, so wie die Fenster in der Giebel- 
rnauer, waren im Halbkreisbogen überx-viilbt und statt des Glases mit Mar- 
morplatten, welche mehrere Reihen kleiner Oednungen enthielten, allsge- 
Setzt. Später wurden sie durch eine oder zwei dünne Säulen in Arkaden 
abgetheilt. ln der Regel scheint die Basilika eine Decke von flachem
        

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