Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484998
186 
Vorstudien zur 
Architektur- 
-Geschichte. 
Als Constantin im Anfange des vierten Jahrhunderts dem Christenthnm 
bürgerliche Rechte und Vorrechte gab, als er und seine Nachfolger dessen 
Cultus mit orientalischem Pomp ausstatteten, konnte jenes Bedürfnisg 
seine vollkommene Befriedigung finden. Man begann auf's Eifrigste den 
Bau christlicher Kirchen; natürlich aber nicht nach plötzlich ausgesonnenen 
neuen Plänen, sondern nach dem Vorbilde derjenigen bereits bekannten 
Gebäude, welche, was hier wesentlichstes Bedürfniss war, zur Aufnahme 
einer grösseren Menschenmenge dienten,  nach dem Vorbilde der Basi- 
liken. Auch weihete man nicht selten antike Basiliken zu diesem heiligen 
Gebrauch. 
Die Basiliken1) (Königliche Hallen) so genannt von dem Archon 
Basileus, dem atheniensischen Oberrichter, welcher in der Basilika von 
Athen Gericht hielt, dienten bei den Römern sowohl zu Gerichtssälen, als 
zu Börsen für den Verkehr der Kaufleute. Sie hatten zumeist V3 bis V2 
der Länge zur Breite und waren in der Regel der Länge nach in 3 Schiffe 
getheilt. Das mittlere Schiff, dreimal so breit als die Seitenschiffe, war 
von diesen durch Säulenstellungen getrennt und erhub sich über dieselben 
und über die, durch eine zweite kleinere Säulenstellung gebildete Gallerie, 
so weit, dass es durch Fenster von oben eigenes Licht bekam. Im Hinter- 
grunde des Gebäudes, in einer halbkreisrunden Vorlage, befand sich das 
'l'ribunal, auf der Vorderseite häufig eine Vorhalle (Chalcidicuvn). Die 
Lage der Basilika war (von Ost nach West) mit der längeren Seite gegen 
Mittag, um im Winter möglichst Wärme aufzunehmen.  Die auf uns 
gekommenen kleinen Basiliken von Utricoli und von Alba am Fuciner-See 
sind ohne die genannte Gallerie. Die berühmte Basilika des Paulus Ae- 
milius erscheint auf dem kapitolinischen Planetmit einer doppelten Säulen- 
stellung auf jeder Seite des Mittelschiffes und mit einer dreifachen vor 
dem Tribunal i); zugleich auch ohne Seitenmauernß), was indess öfter bei 
den antiken Basililten der Fall war.  
Die christlichen Byasilikerß),  für welche dieser Name des 
Königlichen Hauses, als wohl passend, beibehalten wurdes),  wichen in 
wesentlichen Punkten nicht von ihrem Vorbilde ab; sie behielten dieselbe 
Lage von Ost nach West G). Nur vermehrten sie den Plan desselben häufig 
durch die Einführung eines Querschiffes, welches in der Breite des Lang- 
baues oder um ein Weniges über dessen Seitenmauern hervorragend, die 
Tribune von dem übrigen Theil der Kirche sonderte, und dessen Anwen- 
dung die schöne Form des Üriumphbogens am Ende des Mittelschitfes zur 
Folge hatte. Eine einfache Symbolik, dem Grundplan auf solche Weise 
die Gestalt eines Kreuzes zu geben, -vielleicht auch das Bedürfniss einer 
grösseren Ausdehnung des Sanctuariums  scheint die Veranlassung zu 
dieser Abänderung. Wir betrachten die einzelnen Theile der christlichen 
1) Vimw V, 13 VI, 5. Ciampini opera 1, p. 7. Hirt: Geschichte der 
Ballk. III, S- 130; T. XXII. K. O. Müller: Archäologie der Kunst S. 342.  
2) Pirancsi: vmtirrhitü Romane I, pl. II, 51. Rossini: I sette culli di Roma 
pl. VI.  3) So auch auf einer Münze bei Ciampini, I, T, XXI, 4.  4) Vergl. 
Ciampini a. a. O. Platner a, a. 0.  5) Isidorus orig. lib. 5: Basilicae prius 
vocabantur reyuvn habimcula, mmc autem ideo Basilicae Divina Templa nomi- 
nantur, qwia ibi regi onmium Deo cultus et sacrißcia oßeruntur.  6) Eine 
genaue Orientirung scheint indess bei den alten Basiliken Roms gar nicht durch- 
geführt, S. Clemente und die Laterankirche liegen mit ihren Faqaden nach 
Osten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.