Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484980
römisch-christlichen Bausysteme, 
Ueber die 
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dieser rohen Einfachheit bedurfte, wenn sich dasselbe, nach dem styllosexi 
Umherschweifen der letzten Zeit, wieder zu strengeren Formen bilden 
sollte 1). 
Die 
christliche 
Basilika. 
Mit Constantin (306-337) beginnt die Geschichte der mittelalterlichen 
Baukunst. Er machte, das Bedürfniss der Zeit wohl verstehend, das Chri- 
stenthum zur Staatsreligion und begründete so für die heilige Baukunst 
mit verändertem Zwcck eine neue Richtung; zugleich wurde, in den unter 
ihm ausgeführten Bauwerken, die Anwendung des von Säulen getragenen 
Rundbogens, die bisher nur ausnahmsweise vorkam, allgemein. Freilich 
ging, wenn auch nicht der Sinn für grossartige Anlage, so doch die von 
früherer Zeit überlieferte Technik immer mehr und mehr verloren, und wir 
sehen in den nächsten Jahrhunderten unzählige Gebäude, was insbesondere 
Säulen und sonstigen Schmuck anbetrifft, von dem Raube und den Trüm- 
mern antiker Meisterwerke errichtet. 
Der antike Tempel, wie er durch die Griechen (um nicht Zll den 
Aegyptern 'hinaufzusteigen) vorgebildet und von den Römern nachgeahmt 
war, bestand in der Regel aus einer Celle, einem Raum von geringer Weite, 
welche die Wohnung des im Steinbilde verkörperten Gottes war und wozu 
zunächst nur der Priester (nicht eigentlich  oder doch nur ausnahms- 
weise  die Gemeinde) den Zugang hatte. Hier wandte die Baukunst 
ihre vornehmste Sorgfalt auf eine würdige Ausschmücknng der Aussenseite, 
und die drei Säulenordnungen, welche den Kreis dieses Bausystemes voll- 
kommen absehliessen, waren ihr Ergebniss. Anders bei der christlichen 
Kirche. Sie musste einen möglichst weiten Raum enthalten,_um eine grosse 
Versammlung zu gemeinschaftlichem Gebet, zu gemeinschaftlicher Erbauung 
und Gedächtnissfeier in sich aufzufassen; sie musste durch ihre unmittelbare 
Umgehung das Gemüth des Einzelnen emporziehen und heiligen. 
Es ist natürlich, dass die christlichen Gemeinden bereits in den ersten 
Jahrhunderten ihrer Entstehung, ehe das Christenthum eine öffentlich an- 
erkannte Religion ward, eigener und von dem übrigen Verkehr abgeson- 
derter Versammlungsorte bedurften. Grossentlieils indess können dies nur 
Räume in Privatwohnungen gewesen sein; doch mögen die Christen an 
Orten, wo die Verfolgungen weniger heftig waren, schon damals öifentliche 
Gebäude zu diesem Zweck gehabt haben. Das beweist unter andern der 
Umstand, dass Cgnstantin nicht nur überhaupt viele Kirchen aufführen, 
sondern auch die in der vorhergehenden Verfolgung zerstörten neubauen 
ljessßy Dahin kann man ferner die Kirche von Nicomedien rechnen, deren 
Zerstörung Lactantius erzählt; dahin die von Bischof Paulinns von Tyrus 
in dieser Stadt gebaute Kirche, welche Eusebiusß) beschreibt. Auch kom- 
men aus der Zeit vor Constantin bereits eigenthümliche Benennungen für 
diese Versammmngsol-te vor, als Kirche (ecclesia), Bethaus (oratoriuvzz, 
ävumigrov), Versammlungshaus (conventzciela), Haus des Herrn (dominicum, 
uvpzanbv) u. s. w. 4). 
1) Diese Bemerkung trifft insbesondie die, _bereits dem vierten Jahrhundert 
Zugehörige Form des, korinthischen Kapiials mlt ungezackten, einfachen Schilf- 
blättern, wie solche z. B. in S. Paul bei Rom voivkommt.  2) Eusebius H. E. 
X- 2.  3) Ib. X. 4.  4) Vergl. Platner: Roms Basiliken und Mosaiken; in 
der Beschreibung der Stadt Rom I, S. 417.
        

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