Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484975
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Vorstudien 
-Geschichte. 
Architektur- 
im Verfalle der alten Kunst, der Beginn einer neuen, 
Mittelalter auf eigenthümliche WVeise durchgebildet hat, 
ausgesprochen. 
welche sich im 
noch bestimmter 
Dass diese Annahme nicht willkürlich ist, nicht vielleicht nur auf 
Zufälligkeiten beruhend, das beweisen gleichzeitig andere Umstände, welche 
der Geschichte der römischen Staatseinrichtungen angehören und zu den- 
selben Resultaten führen. In dem von Diocletian eingerichteten Amte der 
Defensoren in den Städten (welche den Schutzvögtcn des Mittelalters ver- 
glichen werden), in der gleichzeitigen Sonderung der Städte, in der Ein- 
führung des Verhältnisses des Gutsherrn zu den Colonen, in der Organisa- 
tion einer ganz in Stahl gehüllten Ritterschaft u. s. w. erscheinen nicht 
minder Vorzeichen gewisser mittelalterlicher Einrichtungen 1).  
Noch ein anderer Umstand verhinderte es, dass jene Durchbildung 
eines Bausystemes, dessen Elauptelemente Gewölbe und Säule sind, nicht 
schon bei den Römern Statt fand: der furchtbare moralische Verderb, 
welcher sich des Volkes bernächtigte und dasselbe in die Hände wahn- 
sinniger Despoten, wildester Anarchie und endlich eingedrungener Barbaren 
lieferte. Solche Zeiten eignen sich nicht für die Entwickelung einer neuen 
Kunst. Einzelne Buhepunktc, wie namentlich die Regierung I-Iadrianäs, 
waren ebensowenig im Stande, neue Lebenskraft in die Adern der Kunst, 
als wie des gesammten Staates, zu giessen; und die WVerke, welche der 
Kunstsinn jenes Fürsten hervorgerufen, wurden von seinen Nachfolgern 
keineswegs überboten. 
Und dennoch! wenn wir gleich in den Kunstbestrebungen dieser Zeit 
nicht mehr die Fähigkeit sehen, gewisse neu erscheinende Elemente ihrer 
Bedeutung nach zu verarbeiten, so müssen wir auf der andern Seite 
wenigstens die Lebenskraft und die Lebensfülle der griechischen Kunst 
bewundern, welche sich so lange, unter so wilden Stürmen, erhalten konnte; 
freilich ist sie mehr und mehr in äusserlieher Nachahmung befangen, frei- 
lich artet die Reinheit der Formen mehr und mehr in Schwnlst und Ueber- 
laduug aus. Doch erst in den Gebäuden aus Dioeletian's Zeit sehen wir, 
neben manchem Phantastischen in der Erfindung, gewisse Formen auftreten, 
welche barbarisch zu nennen sein dürften 2); erst hier werden die Formen 
des Ornamentes, wie häufig dasselbe auch angewandt sei, mager und flach. 
Und erst in der Zeit Constantiifs bemerken wir einen gewissen Mangel in 
der Technik und eine, nicht sowohl dürftige, als rohe Einfachheit, welche 
an die Stelle der früheren Ucberfülle des Details tritt. Das beweist, z. B. 
eine Vergleichung derjenigen Ornamente seines Triumphbogens zu Rom, 
welche von dem Trajanischen entnommen sind, mit den zu Constantims 
Zeit gearbeiteten-t). In ihren Hauptformen aber verräth die Architektur 
auch noch in diesen Monurnenten ihren hohen Ursprung und erscheint 
edel und wohlverstetndent). Ich glaube endlich nicht mit Unrecht zu be- 
hauPleni dass: 0b freiwillig oder gezwungen, die Architektur im Detail 
1) F. Ch. SGhIOSSer: Uuiversalhist- Uebersicht der Geschichte der alten 
Welt, Bd. III, Abthl- 3, S. 9, 16, 413.  2) Dahiu rechne ich z. 3., in Diocle- 
tiarfs Palast zu Sinkt"), gewisse Glieder in den Gesimsen mit schrägem, unge- 
schwrlngerleln Profil und mit einer Zikzak-Verzierung.  3) düyincourt. Arch. 
pl. I1. 10-15-  I) RaPhael und Oastiglione an Leo X, in der Beschreibung 
von Rom I, 270.
        

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