Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484907
VOlTl 
Reiseblätter 
Jahr 
1834. 
177 
in der Gewandung haben. Doch sind wiederum die einzig deutlich erhal- 
tenen Züge in dem Gesicht einer mit dem Heiligenschein geschmückten 
Fürstin noch in strenger byzantinischer XVeise, nicht in der weicheren, 
mehr gemüthlichen des germanischen Styles; so dass ich, in Erwägung 
dieser zwar sehr einzelnen , doch nicht unsicheren Umstände, geneigt bin, 
die Malereien ebenfalls der Uebergangsperiode, d. h. in Bezug auf sie: der 
früheren Zeit des dreizehnten Jahrhunderts, zuzuschreiben. 
Freiburg an der Unstrut bietet in seiner Kirche ein seltsames Ge- 
misch von allerlei Baustylen des deutschen Mittelalters dar; interessant 
sind jedoch nur die älteren Theile, die beiden Thürme auf der Westseite 
und das Querschiff, welche wiederum der Uebergangsperiode angehören. 
Die Thürme, nach unten viereckig, gehen nach oben ins Achteck über und 
sind mit zierlichen l-Ialbsäulchen auf den Ecken und rundbogigen Gesimsen 
geschmückt. An den Fenstern der Thürme ist merkwürdig, dass im süd- 
lichen spitzbogige unterhalb der rundbogigeu vorkommen, also früher ge" 
macht sind, als diese. Die Details der Fenster sind schlicht prolilirt. Der 
unter und zwischen den Thürmeu befindliche Theil des Inneren der Kirche 
hat massige, gegliederte Pfeiler mit lrlalbsäulen und runde und spitzige 
Bögen; es scheinen schon hier verschiedene Bauzeiten durch einander zu 
Spielen; ebenso steht auch die westlich vorgebaute alt spitzbogige Vorhalle 
durchaus in keiner organischen Verbindung mit dem Hauptbau. Das 
Querschift" hat im Innern, im Gewölbe, ebenfalls den Spitzbogen, an den 
nach aussen gewandten Theilen  den Bögen der Seiten-Tribünen, Fen- 
stern und Thüren  den Rundbogen; es enthält im Aeussern zierlich aus- 
gebildete Details, namentlich was die Verzierung der Giebelfelder anbe- 
trifft. Auch der Thurm über der Mitte des Kreuzes ist in gleichem Style. 
Der Chor ist im reinen Spitzbogenstyl und zwar, namentlich im Aeusseren, 
recht artig und zierlich gebildet. Das eigentliche Schilf der Kirche gehört 
in die spätgothische Zeit; es enthält ganz rohe achtcckige Pfeiler und Sei- 
tenschitTe, die dem Mittelschiff an Höhe gleich sind. Merkwürdig jedoch 
ist, dass man unter dem Kranzgesims der Aussenmaueru des Schiffes den- 
selben rundbogigen Fries, welcher am Querschifl und am Untergeschoss 
der Thürme hinläuft, fortgeführt hat, doch so, dass er von den Strebe- 
pfeilern unregelmässig unterbrochen wird und sich den älteren Theilen der 
Kirche, wie die gesammten Mauern des Schiifes, ohne organische Ver- 
bindung anschliesst. Möglicher Weise benutzte man hiezu die vorhandenen 
Steine vom Friese der älteren Mauern des Schiffes. --Im südlichen Kreuz- 
arme, hoch zwischen den Fenstern, hängt ein altes Bild späterer deutscher 
Schule, das nicht gerade schlecht zu sein scheint, über das sich jedoch, 
bei der höchst ungünstigen Stellung, nichts Näheres Sagen lässi- 
Hoch über der Stadt liegt das alte Schloss von Freiburg. Bei schon 
einbrechender Dämmerung  die Zeit erlaubte keinen längeren Aufenthalt 
 wanderte ich den steilen Pfad hinauf; oben lag die herrlichste, gemach 
verdunkelnde Landschaft, aus der nur die Windungen der Unstrut hervor- 
leuchteten, zu meinen Füssen hingebreitet. In dem Hofe des wenig be- 
wohnten Schlosses war es schauerlich einsam; durch viele lange Gänge 
führte man mich zu der Schlosskapelle, die ich, wenn auch nur flüchtig, 
Zu sehen gewünscht hatte. Diese Kapelle gehört mit in die Reihe jener 
interessanten kleinen Bauwerke romanischen Styles, deren sich verschiedene 
Kugler, Kleine Schriften. I. 12
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.