Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484852
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ihre Denkmäler. 
und 
Deutsche Kirchen 
gleichungspunkte dar. Es sind Bilder von Ph. Veit, Fr. Olivier, Eggers 
Schadow, Vogel, Näcke, Schnorr, Sentf und Rehbcnitz. Vielleicht wird es 
Dir anmaassend erscheinen, wenn ich über eine solche Reihe berühmter 
Namen ein zum Theil so absprechendes Urtheil wage, wie ich es zu thun 
eben im Begriff bin; aber vergeblich habe ich in den Bildern von Veit, 
Olivier, Näcke, Schnorr, Senff ein wahrhaftes, innerlich hervorquellendes 
Leben gesucht,  und der Gedanke muss doch Fleisch werden, wenn ein 
Kunstwerk auf seine Existenz Anspruch machen will. Die treiflichst stu- 
dirte Gewandung, deren hier genug zu finden ist, die besten Reminiscenzen 
an Fiesole, meinetwegen selbst an Raphael, und die möglicher Weise vor- 
handene Frömmigkeit, die aber nicht zu künstlerischer Begeisterung (man 
sollte sagen: Begeistung) gediehen ist, alles dies macht noch kein Bild! 
Die Bilder von Eggers und Schadow haben wenigstens Leben und Wahr- 
heit, letzteres zugleich eine grosse eigenthümliche Anmuth und Harmonie 
in den Farben; doch auch ihnen noch fehlt diejenige Kraft und Hohheit, 
welche die Darstellung verlangt. Nur das Bild von Rehbenitz, Christus 
und der Versucherin der Wüste, ist von grossartiger Wirkung, wenn es 
gleich an Malerei dem Bilde von Schadow bedeutend nachsteht.  
Die Wenzelkirche von Naumburg, ein confuses Gebäude, welches im 
Aeusseren mit barocken spätgothischen Verzierungen versehen, im Inneren 
zu Anfange des vorigen Jahrhunderts barbarisch erneut ist, besitzt einen 
wahren Schatz an einem Bilde von Lucas Cranach: Christus, welcher die 
Kindlein zu sich kommen lässt. Auch dies Bild ist mehrfach besprochen 
worden. Was den Zauber der Unschuld, der naiven Grazie und tiefsten 
Gemüthlichkeit,  die charakteristischen Eigenthümlichkeiten Cranach's,  
anbetriift, so dürfte er in diesem Bilde vielleicht auf's Gediegenste hervor- 
treten, und Cranach hierin seine besondere Weise wohl am Innigsten aus- 
gesprochen haben. Auch enthält dasselbe eine Reihe charakteristisch ver- 
schiedener Weiberköpfe, was eben nicht zu oft bei ihm vorkommt. Die 
Malerei des Bildes ist in seiner Art trefflich und scheint in den bedeutend- 
sten Theilen wohl erhalten. Da das Bild indess durch Wurmfrass gelitten 
hatte, so wurdevor einiger Zeit eine Reparatur erfordert, und bei dieser 
Gelegenheit scheint der Restaurator hie und da ein Uebriges gethan zu 
haben, was vielleicht minder nöthig gewesen sein möchte.  
Schulpforte, am Fusse der hohen Uferberge der Saale erbaut, hat 
eine friedlich klösterliche Lage; die Kirche ist wiederum von Wichtigkeit 
für die Geschichte der deutschen Baukunst. Es ist eine Kreuzkirche in 
eigenthümlich schlichtem und strengem gothischem Style, mit langem und 
verhältnissmässig hohem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen. Doch 
zeigen sich an gewissen Theilen noch die Ueberreste eines älteren Baues. 
Die Pfeiler des Schiiies nämlich sind von einfach viereckiger Form, und 
zwar einer um den andern von länglicher, die Zwischenpfeilei- nur von 
quadratischer Grundfläche. Jene breiteren Pfeiler nun scheinen ursprüng- 
lich durch grosse Rundbögen verbunden zu sein, denen die an der nörd- 
lichen Wand des Mittelschiffes, unter den gegenwärtigen grösseren gothi- 
sehen Fenstern noch vorhandenen kleinen, im Halbkreis überwölbten Fenster- 
entsprechen. Die Zwischenpfeiler tragen sodann Bögen von gleichem Dia- 
meter, welche den grossen Rundbogen kreuzen und solchergestalt ein spitz- 
bogiges System zu Wege bringen; vielleicht wurden diese Pfeiler erst 
hinzugefügt, als man, beim Beginn des Neubaues, die Mauern des Mittel-
        

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