Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484807
Reiseblätter vom Jahr 
1834, 
167 
sind die beiden auf der Ostseite die älteren. Bis zur Höhe der Kirche 
viereckig, gehen sie dann ins Achteck über, mit schlanken Halbsäulchen 
auf den Ecken, mit mancherlei rundbogigen Fenstern und Gesimsen; das 
oberste Geschoss ist zierlich gothisch, aber mit consequenter Beibehaltung 
des Rnndbogens. Auf der Westseite ist nur ein Thurm, und zwar gen 
Norden, ausgeführt; dieser hat die grösste Aehnlichkeit mit den westlichen 
Thürmen des Bamberger Domes, indem sich nämlich auf den Ecken sechs- 
eckige, durchbrochene, von Säulen und kleinen Spitzbögen getragene Erker 
bilden, in denen die Treppen ernporlaufen 1). Endlich noch, als einer der 
wichtigsten Theile des alten Baues, ist die Krypta zu erwähnen. Sie gehört 
verschiedenen Zeiten an, und zwar zum Theil augenscheinlich einer noch 
früheren, als der des gestimmten Oberbaues. In diesem ältesten Theile 
der Krypta, dem Mittelstücke derselben, sind die Gliederungen, am Abakus 
der Kapitale, an den einfachen rundbogigen Gurten u. a., noch sehr 
befangen gearbeitet; die Kapitale haben noch die Gestalt des abgestumpften 
Würfels und der an denselben angewandte Blätterschniuck ist ohne sonder- 
liches Relief. Merkwürdig sind an diesen Säulen die sehr verschieden 
gebildeten Kanneliruugen, die an einer Säule selbst dorisch sind. Die anderen 
Theile der Krypta, gen Osten und Westen, entsprechen dem Oberbau des 
Schiffes; interessant ist die Art, wie hier stets vier Säulen um einen Mittel- 
pfeiler zusammengestellt sind. 
Der Dom besitzt kekanntlich zwei Chöre und diese im späteren, go- 
thischen Style. Was das Alter derselben anbetrifft, so bin ich sehr geneigt, 
gegen die bisherige Annahme , den westlichen, zwar reicheren, für den 
älteren zu halten. Die Architektur hat hier, in der Formation des Details, 
noch etwas Schlichtes und eigenthümlich Strenges; selbst Manches, was das 
Gefühl noch an den früheren Styl der Uebergangsperiode erinnert. Beson- 
ders charakteristisch ist die einfach edle Gestaltung der Fensterrosen und 
die Art wie die Halbsäulchen, welche die Verzierung der Fensterschmiegen 
bilden, mit eigenem Kapital bedeckt sind, somit nicht unmittelbar in die 
Bögen übergehn. Beides ist anders an dem Chorschluss auf der Ostseite, 
welcher um zwölf Fuss über die Krypta hinaus gebaut ist; hier sind nament- 
lich die Fensterrosen bereits willkürlich angeordnet, die Details bereits 
vollkommen in gothischer Art formirt. 
Die Chöre werden durch Zwischenbauten vom Schiff abgesondert. Der 
auf der Ostseite, leider durch modernes Holzwerk ganz entstellt, rllhi auf 
einer altrundbogigen Säulenhalle; der westliche entspricht wiederum dem 
Style des Westchores und ist durch reichen Schmuck von Bildwerken aus- 
gezeichnet; er hat, auf der innern Seite, zwci zierliche Treppenhäuser, WO 
die Stufen der Wendeltreppe von leichten Säulcherl getragen werde" 
Was den Totaleifekt des gesamniten Domes imlnnern anbetrifft, so 
kann ich Dir darüber zur Zeit nichts schreiben; es ist eine Menge geschmack- 
loser hölzerner Einbauten vorhanden, der Ostchor vom Schiff noch ganz 
und gar durch eine moderne Querwand getrennt, so dass alle Hauptformen 
der Architektur verdorben werden. Der Dom erwartet noch seine Er- 
neuel-ung, wie solche dem verwandten Barnberger Dome durch den kunst- 
Sinnjgen König von Baiern bereits zu Theil geworden ist.     
Unter den im Dome vorhandenen Bildwerken sind bekanntlich die im 
 Dies gilt nur von dem Untergeschoss des 
beiden Obergeschosse desselben sind spät gothisch. 
durchbrochenem Baues. 
Die
        

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