Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484796
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Deutsche 
und 
Kirchen 
ihre Denkmäler. 
vorgekommen.  In der Vorhalle des Domes steht, aus der unterstädtischen 
Kirche von Merseburg dahingebracht, ein uralter Taufstein in streng byzan- 
tinischem Styl, mit einer halberhobenen Bogenstellung und Heiligenüguren 
geschmückt. 
Naumburg besitzt in seinem Dome ein Gebäude, welches zu den 
interessantesten Problemen der Entwickelungsgeschichte der deutschen Bau- 
kunst gehört. Das Schiff nämlich, das Querschiff und die Seitenschiife 
haben in der Verbindung der Pfeiler und im Gewölbe den schweren 
massigen Spitzbogen, wie derselbe zuerst auftritt; die Oeffnungen nach 
aussen, Fenster und Thüren, sind dagegen im Rundbogcn überwölbt und 
Strebepfeiler noch nicht vorhanden. Es ist derselbe Styl,_wie er am Bam- 
berger und Limburger Dom, an der Stiftskirche von Fritzlar, an den unteren 
Theileu des Magdeburger Domes u. a. m., erscheint. Du erwartest viel- 
leicht, dass ich hier eine besondere Ansicht über die Erbauungszeit der 
genannten älteren Theile des Naumburgcr Domes, somit über die Periode, 
darin jener Styl herrschend war, mittheilen werde; doch gestehe ich Dir 
ehrlich, dass ich keine Lust habe, unserer Kunstgeschichte, darin ohnedies 
so grosse Verwirrung herrscht, noch mehr unerwiesene Hypothesen aufzu- 
bürden. Der Stand der WVissenschaft ist dermalen, trotz der naiven Sicher- 
heit mancher dilettirenden Gelehrten, noch zu sehr im Dunkeln, um aus 
Analogieen weiter zu schliessen; und nicht minder die Geschichte des 
Naumburger Domstiftes, um den Bau dieser Theile ausdrücklich vor der 
Verlegung des Stiftes von Zeitz nach Naumburg (1028) oder  wie ein 
befreundeter Kunstforscher will  ausdrücklich unter Erzbischof Engel- 
bert (1206-1242) geschehen zu lassen 1). Nur im Allgemeinen bezeichne 
ich jenen Styl als der Uebergangsperiode aus dem byzantinischen (romani- 
schen) in den gothischen (germanischen) angehörig, welche Periode jedoch 
nicht in so gar enge Gränzen einzuschliessen sein dürfte. 
Was das Detail dieser älteren Theile des Naumburger Domes anbetrifft, 
50 ist (im Inneren) ein Pfeiler um den anderen mit den zum Gewölbe 
empor laufenden Gurtträgern versehen; diese reicher gegliederten Pfeiler 
haben demnach die Grundform eines kurzen schweren Kreuzes mit acht 
Halbsäulen an den vier vorspringenden Seiten und in den vier Winkeln. 
Die Kapitale bestehen aus leichtem, schön und zum Theil durchbrochen 
gearbeitetem spät-byzantinischem Blattwerk mit roichgegliedertem Abakus; 
VOII den Gurmägem läuft dieser Abakus des Kapitäles als Gesims an den 
Wänden fort. Das spitzbogige Gewölbe wird durch schwere, geradlinig 
protilirte Gurte, welche die gegenüberstehenden Hauptpfeiler verbinden, in 
quadratische Räume getheilt; letztere sind durch einfache Kreuzgewölbe 
 ohne Gurte  ausgefüllt; nur in dem, noch zum alten Bau gehörigen 
Anfange des östlichen Ohores (in seinem ersten Quadrat) kommen Gurte, 
aus einem Rundstab bestehend, vor, seltsamer Weise aber in den Graten 
des Gewölbes. Die rundbogigen Fenster des Mittelschiiles sind mit einem 
Rundstab profilirt; an den Seitenschilien sind neben einander stehende 
Doppelfenster betindlich. Die aussen, unter dem Irlauptdach, hinlaufenden 
rundbogigen Friese haben zierliche kleine Consolen, auf denen die Rund- 
bögen aufsetzen. Seltsam ist das rauteuförmige Fenster mit verschlungener 
Blume im südlichen Kreuzgiebel. Von den drei vorhandenen 'l'hürmen 
Allerdings 
letztere. 
das 
Vergl. 
später folgenden Mittheilungen. 
die
        

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