Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484736
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Denkmäler. 
und ihre 
Deutsche Kirchen 
Grabmal des Bischofes Lambert von Brunn, gest. 1399. Halbfigur in 
Messing gravirt. Ausgebildet germanischer Styl, noch ohne Manier; schöne 
Linien, die Falten weich umgebogen. 
Grabmal des Bischofes Albrecht II., Grafen von Wertheim, gest. 1421. 
Manierirte Ausbildung des germanischen Styles. Die Gestalt des Bisehofes 
in sehr gewundener Haltung; der Faltenwurf in schweren Massen, das 
Herabhängende in sehr krausen Schlangenlinien. 
Grabmal des Bischofes Anton von Rotenhan, gest. 1459. Kurze Figur, 
rohe Arbeit; der Faltenwurf einfach, aber wenig feierlich. 
Grabmal des Bischofes Georg von Schaumberg, gest. 1475. In Erz ge- 
gossen. Einfach und edel; in der Gewandung bereits das eckig geschnittene 
Wesen, das in dieser Zeit vorzuherrschen beginnt. 
Grabmal-des Bischofes Philipp, Grafen von Hanneberg, gest. 1487. 
Reich componirte, sehr zierliche Arbeit. Der Faltenwnrf schon in ganz 
scharf gebrochener Weise. 
Grabmal des Bischofes Heinrich III. Gross von Trokau, gest. 1501;  
idas des Bischofes Veit I. Truchsess von Pommersfelden, gest. 1503;  und 
das Georgs II., Marschalks von Ebnet, gest. 1505,  drei gegossene Bronze- 
platten mit den Gestalten der Bischöfe, jeder auf einem Löwen stehend, 
in einfach edler Würde und einem klaren Style,  die beiden ersten 
muthmasslich", die dritte bestimmt aus Peter Vischefs WVerkstätte zu 
Nürnberg. 
Von aussergewöhnlicher Bedeutung, eins der wichtigsten Werke deut- 
scher Kunst aus dem Anfange des sechzehnten Jahrhundertgist das Grab- 
denkmal Kaiser Heinrich's II. und der Kunigunde, ein prächtiger, reich mit 
Sculpturen geschmückter Sarkophag aus weissem salzburgischem Marmor. 
Die Arbeit ist von Tilmann Riemenschncider zu Würzburg, von 
1499 bis 1513 gefertigt. Oben auf dem Sarkophag ruhen die beiden Ge- 
stalten des Kaisers und der Kaiserin im vollen Ornat, beide durch den 
Adel der Gesammtfassung und die schönen Köpfe ausgezeichnet; die Hände 
sind sehr ausgearbeitet, der Faltenwurf in eckiger Weise scharfgeschnitten. 
An den Seitentlächen sind Reliefs aus der Legende beider Heiligen, malerisch 
componirt, mit Feinheit durchgeführt, im Styl etwa der Richtung des köl- 
nischen Malers, welcher als der Meister der Lyversbergdschen Passion be- 
zeichnet wird, vergleichbar 1). 
Von andern Werken der Bildnerei ist ein, in einer Kapelle befind- 
licher Schnitzaltar, dem Ende des funfzehnten Jahrhunderts angehörig, 
anzuführen. Er enthält eine Darstellung der Aposteltrennung und ist durch 
die vortreffliche Technik, durch den lebendigen Ausdruck in den Köpfen 
und einzelne grossartige Gewandmotive ausgezeichnet.  Im westlichen 
Chor sah ich Chorstühle aus dem funfzehnten, im östlichen Chore deren 
aus dem sechzehnten Jahrhundert, die letzteren durch ihr Schnitzwerk, 
besonders eine Anzahl phantastischer Thierbildungen an den Lehnen, 
bemerkenswerth. 
Höchst merkwürdig endlich ist ein grosses Crucifix aus Elfenbein,  
Pfund schwer, von hochalterthümlich gräeisirender Arbeit, über einem 
Altare befindlich. Der gekreuzigte Erlöser steht in sehr ruhiger, feierlicher 
Haltung, mit einem langen Schurz bekleidet, die Füsse nicht übereinander, 
1) Eine nähere Charakteristik bei 
Erzgebirge und in Franken, S. 83. 
Waagen 1 
Kunstwerke 
und 
Künstler 
im
        

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