Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484585
III. 
Jahr 
Raiseblätter vom 
1832. 
145 
macht, widerspricht einfach das zierliche Karnies im Fussgesimse des 
Kastens, indem dies bereits eine, auf gewisse Weise durchgebildete Bau- 
kunst voraussetzt, die bekanntlich zu jener Zeit in unserm Vatelqande nicht 
Statt fand. Auch sehe ich keinen Grund, dasselbe für eine aleemn-ische 
Arbeit auszugeben. Wäre es noch in der Mode, unser Volk von dem 
orientalisch despotischen Volke der Perser abzuleiten, so würde ich viel- 
leicht nachzuweisen mich bemühen, dass dieser Feueraltar von dort her 
mitgebracht sei; wobei eine gewisse Aehnlichkeit seiner Träger mit den 
Skulpturen an der grossen Treppe von Persepolis zu den überraschendsten 
Resultaten führen könnte. S0 lange indess solche Annahmen, sammt den 
obigen, nicht unwiderleglich dargethan werden, dünkt es mich am Ge- 
rathensten, dies Werk in Ruhe dem elften Jahrhundert zu lassen, so dass 
es, möglicher Weise, als eine der vielen Kostbarkeiten, womit Heinrich III. 
den Dom beschenkte, und als ein heimisches, aus den benachbarten Bergen 
gewonnenes Produkt, gleichzeitig mit der Erbauung des Domes und für 
denselben, gearbeitet sein mag. (Vielleicht stellen, unter diesen Umständen, 
die eigenthümlich costümirten tragenden Figuren überwundene Wenden 
dar.) Zu diesen Annahmen bestimmt mich nicht nur eine gewisse, min- 
destens technische Aehnlichkeit jener Träger mit den, in der Mitte des 
elften Jahrhunderts gegossenen Bronzereliefs an einem Portale des Augs- 
burger Domes (von denen später), sondern auch der Umstand, dass in 
zweicn von den grösseren Löchern der Seitenplatten noch die blechernen 
Einsatzstücke befindlich sind, in welche der Schmuck der Edelsteine 
eingelassen war, und dass die erhaltene Fassung der letzteren und die 
dazwischen befindliche Filigran-Arbeit durchaus dem in jener Zeit häufig 
vorkommenden Schmucke der Buchdeckel entspricht. Und der etwanige 
Zweck dieses sonderbaren Werkes? Vielleicht war dasselbe zum Altar in 
der dunkleren Krypta des Domes bestimmt, so dass einige, in denselben 
hineingestellte Kerzen den geschlilienen Steinen, mit denen die Seiten 
geschmückt waren, ein selbständiges Licht verliehen, was von grossem Effekt 
und dem kindlichen Wunderglauben jener Zeit nicht unangemessen gewesen 
sein dürfte; so spielen ja die selbstleuchtenden Steine an Schilden und 
Waden in den älteren deutschen Hcldengedichten eine grosse Rolle. Eine 
genügende Auskunft über dies räthselhafte und durchaus eigenthümlichc 
Werk möchte aber, wie gesagt, schwerlich zu geben sein. 
Sodann befindet sich in dieser Halle die steinerne Brüstung, welche 
früher den im Dome befindlichen altberühmten Kaiserstuhl umgeben hat; 
sie hat sonderbare, in Relief gearbeitete Verzierungen; phantastische Thier- 
iiguren, Schlangen-umwundene Köpfe, Affen mit Kapuzen und Büchern 
u. s. w. Der Kais er stuhl selbst, eine kunstreiche Bronzearbeit mit durch- 
brochenen byzantinischen Ranken-Verschlingungen und ähnlichen Figuren, 
befindet sich zu Berlin, in der schönen Rüstkarnmer des Prinzen Carl von 
Preussen  
1) Der Sitz des Kaiserstuhles ist von Stein, mit eingelassenen Säulchen auf 
den Ecken. Die in der Hauptform sehr einfach gestalteten Lehnen, Rücklehne 
und Seitenlehne, bestehen aus der zolldicken durchbrochen-gearbeiteten Bronze, 
Die Rankenverschlingungen entsprechen durchaus der Bildungsweise der Minia- 
turen byietntinischen Styles. Sie enthalten nmnnigfach reiche Blumen, mit einer 
Art von Früchten in der Mitte (in der einen auch einen menschlichen Kopf). 
Das Blattwerk ist geschwexft byzantinxsch, bunt und reich, die Behandlung der 
Kugler, Kleine Schriften. l. 1()
        

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