Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484558
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Kirchen 
Deutsche 
und ihre 
Denkmäler. 
Dlß elgenlllnllß Blülho der Stadt fällt insbesondre in das elfte und zwölfte 
Jahrhundert, in die Zeit der Salischen und der nächstfolgenden Kaiser; sie 
bewahrt viele Andenken an jene Zeit, sowohl in Bezug auf kirchliche 
Architekturen, als selbst auf bürgerliche WVohnungen. 
So sieht man noch an mehreren Häusern rundbogige und rundbogig 
gebrochene Fenster und ähnliche Verzierungen. Ausserdem bemerkt man 
einzelne grosse spitzbogige Thüren mit schönem Profil, und schöngearbei- 
tete Fenster aus der späteren Zeit des Spitzbogens. Dahin gehört nament- 
lich das Rathhaus mit seiner spitzbogigen Vorhalle, welches am Markte 
liegt, und zur Seite desselben das sogenannte Worthgebäude mit der noch 
späteren, bereits wieder rundbogigen Vorhalle und -mit den gepanzerten 
Kaiser-Statuen zwischen den Fenstern; beide geben dem Markte ein eigen- 
thümlich malerisches Ansehen. Sodann sind die Privathäuser in ihrer 
Bauart zum Theil denen von Quedlinburg und Halberstadt ähnlich. Andere 
endlich, und zwar neuere, machen durch die mit schwarzen Schieferplatten 
benagelte Wetterseite einen weniger behaglichen Eindruck. 
Der alte Kaiserdom von Goslar, ein hochwürdiges geschichtliches Denk- 
mal, ein Zeugniss von der Majestät und Frömmigkeit des edeln Kaisers 
Heinrich III., welcher selbst, so wie seine Nachfolger, ihn seine „Lieblings- 
kapßlle" und den islllnnm der Krone" nannte, eins der grossartigsten Bei- 
spiele für die Entwickelung der Kunst in unserm Volke, ist von der Erde 
vertilgt. Und es war nicht ein Melac, der, auf Befehl seines allerchrist- 
lichsten Königs, etwa eine Brandfackel in dies Gotteshaus geworfen; es 
war kein sogenanntes westphälisches Königthum, das diese ehrwürdigen 
Steine auf den Abbruch verkauft;  dasselbe, obgleich es die einzelnen 
werthvollen Effekten mit Freuden versteigerte, duldete wenigstens, (lass 
der Dom selbst in Trümmer Iiel, denn auch Trümmer können ja dem Enkel 
noch von seinen Vätern erzählen:   noch im Spätjahr 1817, nachdem 
jenes Königthum lange geendigt hatte, standendiese, ob auch entheiligten 
Hallen. Ein sinniger Alterthumsforscher, Büsching, welcher sie damals be- 
suchte, hat uns eine Beschreibung des Gebäudes hinterlassen l), die um so 
wichtiger für uns ist, als es selbst an herausgegebenen Rissen (lesselbpn 
fehlt, 1- Nur eine kleine Vorhalle hat man stehen lassen, als Pröbchen 
dessen, Was nlellelgellssen "Wilden? man llnl S19, zufolge einer mit grosscn 
Uncialen geschriebenen lateinischen Inschrift, im Jahre 1824 dem Schutze 
der alten deutschen Monumente (deren einige wenige darin aufbewahrt 
werden) gewidmet. Das Wort TVTANDIS an dieser Stelle ist übel gewählt. 
Das Portal dieser Vorhalle ist durch eine Säule in zwei Ilälften ge- 
theilt, deren jede 1m Halbkreisbogen überwölbt ist. Dcr Säulenschaft, 
dessen Basis durch elne verstümmelte Thierfigur gebildet wird, ist aufs 
Zierlichste mit tlachgearbeitetem verschlungenem Ranken- und Blatt-Orna- 
ment bßklelfleli das KnPlläl phantastisch durch menschliche Köpfe, um- 
geben von lnßlllanflergeschlungenen geflügelten Drachen, geschmückt 2]. 
Auch der Abakus ist mit zierlichem Blattwerk versehen, und eine an dem- 
selben llßnnllllclle Inschrift nennt den Künstler: Hartxnannus. Ueber 
dem Portal sind zwei Reihen von halbkreisrunden Nischen mit Figuren, 
i) S. Büschings Reise durch einige Münster und Kirchen des Ilördlichen 
Deutschlands, S. 274.  2] Die Flügel gehören augenscheinlich zu den Drachen, 
nicht, wie Büsching und IPioriIlo meinen, zu dem zwischen ihnen befindlichen 
KOPF-v; somit sind Fiorill0's weitere Bemerkungen darüber unnüthig.
        

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