Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484474
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Kirchen 
Deutsche 
und 
ihre Denkmäler. 
Faltenwurf zu urtheilen, unstreitig älter als das dreizehnte Jahrhundert 
und haben Aehnliches mit den Bildern im Hortus deliciarztm der Herrad 
von Landsperg, welche Engelhard herausgegeben. Christus ist mit einem 
Schurze bekleidet, sein Haupt auf die linke Seite gewandt, und die Füsse, 
welche statt des Fnssbrettes auf einem Drachen stehen, nicht übereinander, 
sondern mit zwei Nägeln befestigt; Maria steht ebenfalls auf einem Drachen, 
Johannes auf der kleinen kauernden Figur eines Königes. 
Vor diesem Bischofstuhle, frei, in der Mitte des Schiffes, steht ein 
Altar, auf dem eine mit Perlen gestickte Decke liegt; diese Arbeit gehört 
ebenfalls noch in jene Periode der sogenannten byzantinischen Kunst. Sie 
enthält eine Krönung der Maria , zu den Seiten je zwei Engel und weib- 
liche Heilige. Die Zeichnung ist roh, und das Ganze leider beschädigt, 
denn die ächten Perlen, aus denen die Fleischpartieen gebildet waren, 
sind bereits herausgenommen. Auf diesem Altar ist das vortreffliche Schnitz- 
werk aus Speckstein befindlich, welches die Kreuzigung Christi darstellt 
und das auch von Büsching beschrieben wird. Merkwürdig contrastiren 
hier die kurzen niederländisch karikirten Figuren der Kriegsknechte mit 
den schönen, höchst edeln und zarten Formen des Johannes und noch mehr 
der Maria, welche letztere an die schönsten Werke älterer Italiener erinnert. 
Die Thür, welche von der südlichen Chor-Abseite nach dem sogenann- 
ten Citer führt, hat merkwürdiger Weise in ihrem mehrfach gegliederten 
Spitzbogen zweimal die römische Verzierung des Eierstabes,  eine selt- 
 same Vermischung heterogener Elemente. Der 
 Herr Oberdomprediger Augustin hatte die Güte, 
x  mir die in dem Citer noch befindlichen Dom- 
 Ahßwxjli tL-Ä-IiMRYQIIQ schätze zu zeigen. Da waren denn Reliquien aller 
 Art, zum Theil auf's Kostbarste mit edlen Steinen 
 gefasst; unter andern ein unverletzter Schädel des 
heiligen Stephanus und ausserdem noch ein ein- 
 zelnes Stück davon; kostbare Stickereien, be- 
 sonders _von Perlen und zuweilen nicht ohne 
g  Kunstverfertigt, reichgeschmüekteMitren, Pluvia- 
 lren  s.  Daneben verschiedne Gegenstände 
   v; von eigenthumlichem kunstgeschichtlichem Werth. 
 Ausser einem Cruciüx von Bergkrystall, mit einer 
  schonen, aus Elfenbein geschnitzten Christustigur, 
 nenne ich hier zunächst eine silberne, vergoldete 
r 1  iAbendmahlsschüssel (aus der im griechischen Got- 
W-Trfxjhyxjxffxijcfyjyi tesdienste das Brod genommen wird). Auf dersel- 
Q  ben sind ein Crucifix, Maria, Johannes und über 
 den Kreuzesarmen zwei Engel in getriebener Ar- 
    beit dargestellt, lange Figuren mit langen harten 
Pwm d" Thütehedemng- Falten; daneben griechische Colonnenschrift und 
viel zartes byzantisches Ornament, im Rande die Brustbilder von zweimal 
acht Heiligen. Vier steinigende Figuren aus Messing, im späteren deutschen 
Styl, sind nachmals darauf gesetzt; in der Mitte war eine Figur des hei- 
ligen SKCPMIIIIS, welche jetzt fehlt. Sodann schienen mir die in Elfenbein 
geschnitzten Deckel zweier Pergamenthandschriften, eines Evangeliariums 
und einer Sammlung geistlicher Gesänge, merkwürdig. Der Deckel des 
ersten, welches der Schrift nach in die früheren Jahrhunderte des Mittel- 
alters gehört, stellt, unter mannigfach zierlichen Architekturen, an denen
        

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