Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484468
lII. 
vom Jahr 
Reiseblätter 
1832. 
133 
unter einem Baume schlafenden Jacob 1). Nun feigen wieder gewirktg Dar- 
stellungen und zwar aus der Geschichte des Abraham, zum Theil durch 
niederhängende Spruchbänder getrennt;  ich brauche wom nicht vorher 
ZU bemerken, dass die Opferung des Isaak von der scholastischen WVeisheit 
jener Jahrhunderte in unmittelbare Beziehung auf den Opfertod Christi ge- 
stellt Wllrdß- YViY Sßhßll also zuerst den Abraham vor der Thür seines 
Hauses, Gott (ohne Flügel, ohne Bart, aber im reichen Nimbus) aus dem 
Ringe zu ihm sprechend, die drei Engel;  sodann Sarah in der Haus- 
thür und Abraham, der vor den drei. am Tische sitzenden Engelnkniet; 
 Abraham mit einem Feuerbrande und Schwerte, hinter ihm Isaak, der 
die Holzscheite trägt, und ein Knecht, der einen Esel oder ein Pferd führt; 
 ein Busch mit dem Schafbock, darüber eine aus dem Ringe schauende 
Figur; Abraham, der den Isaak zu opfern im Begriff ist, und vor ihm ein 
brennender Scheiterhaufen.  Endlich, im Fortgange desselben Teppiches, 
nicht angeheftet, wie die zuerst genannte Darstellung des Königes, ist eine 
mit langer Tunika und Mantel bekleidete Figur dargestellt, mit Schild und 
Lanze, letztere einem Drachen in den Rachen stossend,  entweder der 
Erzengel Michael ohne Flügel, oder der heilige" Georg ohne Rüstung. 
Es ist diesen Figuren, die mit ihren halbverschossenen Farben, mit 
ihren weit offenen Augen gespensterhaft auf den Beschauer niederblicken, 
bei aller Rohheit in der Ausführung doch eine gewisse strenge Würde 
nicht abzusprechen,  wenigstens nicht denen, welche auf der Nordseite 
des Chores hängen; dagegen die alt-testamentarischen Darstellungen in ihren 
minder sicheren Formen einen schwächeren Künstler zu erkennen geben. 
Die Hauptumrisse sind in breiten, dunkelbraunen Streifen geführt und in 
der Grundfarbe jedes einzelnen Theilesdie Schatten oder Lichtstreifen ein- 
fach angedeutet, je nachdem die Grundfarbe heller oder dunkler ist. In 
der eigenthümlich stylisirten Gewandung, im Styl der Architekturen, der 
Bäume, der Geräthe, erkennen wir ganz denselben Charakter, welcher in 
den Miniaturen vom Ende des zwölften Jahrhunderts gefunden wird. Diese 
Zeitannahme bestätigen die Formen der Buchstaben in den mit Uncialen 
geschriebenen Beischriften; sie enthalten nemlich, neben den früheren römi- 
schen Formen, schon einzelne jener sogenannten gothischen und einzelne 
Abkürzungen, welche im dreizehnten Jahrhundert gebräuchlicher werden. 
Vor dem Altar im Chore ist noch ein anderer grosser Teppich als 
Fussdecke ausgebreitet, der Darstellungen aus derselben Zeit zu enthalten 
scheint. Endlich hängen eben dort noch verschiedene Teppiche, welchen 
auf eigenthümlich buntem Arabeskengruirde Darstellungen aus dem Leben 
der Maria eingewirkt und die, ihrem Style nach, um (1611 39511111 des 59911" 
zehnten Jahrhunderts verfertigt sind.   
Der Chor wird von den Abseiten durch eine Mauer von einer gewissen 
Höhe getrennt und von dem Schiff durch den sehr zierlich gearbeiteten 
Bigehofstuhl, ein Werk aus dem Anfange des sechzehnten Jahrhunderts. 
Ueber demselben steht auf einem Querbalken ein grosses, von Engeln ge- 
tragenes Crucifix, zu den Seiten Maria und Johannes, und zu deren Seiten 
je zwei Cherubim. Darunter, ebenfalls an dem Querbalken, sind die Bilder 
V01] Heiligen. Das Crucifix, Maria und Johannes sind, besonders nach dem 
1) In Werinhers Gedicht vom Leben der Maria (vergl. oben, S. 26,ff.) lehnt, 
bei einer gleichen Darstellung, die Leiter sehr naiv an dem Baume, darunter 
Jacob schläft.
        

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