Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484412
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Deutsche 
Kirchen 
und 
ihm 
kmäler. 
Dome, rein gemacht und- gelb und blaugrün und weiss angestrichen. Die 
runden Thürme der Kirche sind aus gebranntem Stein erbaut, E1116 968111180 
indess wieder aus Sandstein. 
IIalberstadt. 
Wenn Magdeburg, mit Ausnahme der wenigen Bauwerke, welche das 
traurige Schicksal der Stadt im dreissigjährigen Kriege überlebt haben, 
wesentlich aus neueren Gebäuden besteht und insbesondre in den Ilänscrn 
der breiten Hauptstrasse eine gewisse kaufmännische Sicherheit und Eleganz 
zeigt, so bewahrt Halbcrstadt, in seinen kirchlichen Gebäuden sowohl, als 
nicht minder in den Bürgerwohnungen, noch viel mittelalterliche Formen 
und erinnert im Ganzen noch an die Oberhoheit des bischöflichen Krumm- 
stabes, unter dem aber, wie wir wissen, gut wohnen war  Den Mittel- 
punkt der Stadt um welchen sich die Wohnungen und die andern Kirchen 
umherlagern, bildet der schöne, gothische Dom; er liegt auf einer Anhöhe, 
und die Verbindung des alterthiimliehen Domplatzes mit einem grossen 
Theile der Stadt wird nur durch verschiedene Treppen zu Wege gebracht. 
Die hüglige Lage von llalberstatlt verbietet schon von selbst jene lang; 
weilige Regelmässigkeit, der iCh Wenigstens in den Strassenanlagen neuerer 
Städte nicht allzuviel Geschmack abgeiviniren kann: die Häuser sind oft 
ganz malerisch und seltsam heimlich zusammen-, ich möchte sagen, inein- 
ander gebnut, und nicht selten sieht man eine der grösseren Kirchen als 
den Hintergrund des hübschen Bildes. Dieser malerische Eindruck wird 
durch den eigenthümlichen Charakter der älteren Hänser noch erhöht, 
welche durchweg in Fachwerk erbaut sind, und zwar so. dass die oberen 
Stockwerke über die verschiednen unteren auf die Strasse hinaus über- 
ragen. Die stehenden und noch mehr die liegenden Balken sind sodann 
grossen Theils mehr oder minder kunstreich geschnitzt und ausgekehlt, und 
letztere durch mannigfaltig gebildete Consolen unterstützt. Ausgezeichnet 
ist in dieser Hinsicht insbesondre der sogenannte Schuhhof auf dem breiten 
Wege, wo man, an,der Stelle solcher Oonsolen, in Holz geschnitzte Sta- 
tnen Christi, mehrerer Apostel und andrer Heiligen und einzelne groteske 
Figuren von ausgezeichneter Arbeit sieht. Seltsam stechen einzelne neuere 
Gebäude gegen jene älteren ab; und spasshaft ist der kleine (lorische Por- 
tikus vor dem Rathhause, an dessen Gesims der danebenstehende grosse 
Roland sich die Nase zu stossen scheint. 
Der Dom von Halberstadt ist ein ehrwürdiges, reiches, in seinen ver- 
schiednen Theilen immer aufs Neue anzichendes Bauwerk. Er ist sehr 
wohl erhalten und keine übertriebene Restauration hat ihm seine ernste 
geschichtliche Farbe genommen; besonders im Innern wohlthuend wirkt 
jener bräunliehgraue Ton, -der eben so weit von der wohlfeilen wcissen 
Tünche des Maurers, als von der beliebten Pfeiierkuchenfarbe gewisser 
moderner Architekturmaler entfernt ist. Ein schönes, harmonisches Verhält- 
IIiSS der Seiteflßßhifte zum Hauptschiff zeichnet diesen Dom aus; die ersteren 
erheben sich höher als jene des Magdeburger Domes, sie scheinen das 
Mittelschiff mehr zu tragen. Die Strebepfeiler. der Seitenschitfe tragen zier- 
i) Ißll erlaube mit, hier auf den Aufsatz eiues geistreichen Beobachters über 
Halberstadt aufmerksam zu machen, welcher sich im Freimüthigen, 1832, 
N0. 187 und 188, befindet.  
        

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