Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483050
wie fast vermessen mein Wagniss, wie fern meine Nadelführung von 
der festen Hand des wirklichen Künstlers war. Indess hoffe ich von 
Deiner Freundschaft und von der Nachsicht des Publikums, dass 
Ihr überhaupt Anforderungen der Art an meine Leistungen nicht 
stellen werdet. Sie sollen, ohne allen Anspruch auf eigne künstleri- 
sche Geltung, das im Text Vorgetragene einfacherläutern und sie 
haben vielleicht doch das Verdienst, dass sie das Stylverhältniss des 
Dargestellten möglichst festhalten, was beidem Ueberl-assen solcher 
Arbeiten an fremde Copistenhände nicht allzuselten verloren geht i).  
Ausserdem sind noch einige besondere artistische Beilagen hinzu- 
gefügt.  . 
Und wieder blicke ich, innehaltend, zu der Figur des Moses 
empor und auf das goldige Laub am Fenster, und es gemahnt mich, 
Dir doch noch ein Wort von dem Landsitze, den ich für diesen 
Sommer mit dem staubigen Berlin vertauscht, zu sagen. Bellevüe 
gehört meinem Freunde, Bernhard von Lepel, dem Dichter der 
„Lieder aus Rom". Der alte Park drausscn ist voll tiefen Grüns, 
die Gegend umher, mit ihren vielgegliederten Wasserflächen, ihren 
Föhrenwaldungen zur Seite der Wiesen, ihrem eigenthümlichen kleinen 
Dünengehirge, ein charakteristisches Bild unsres märkischen Tief- 
landes. Auch ist es klassischer Boden. Hier war einer der Haupt- 
sitze altwendischer Herrschaft; man fühlt es dieser, in ihren Wassern 
wohl gesicherten Gegend an, wie hier der letzte Wendenfürst, der 
mächtige Jaxa von Cöpenick, geraume Zeit hin seine Herrschaft zu 
behaupten vermochte. Nur Kunst, nur Denkmalc jenes Höchsten, 
was menschliche Schöpferkraft hervorgebracht, meint man hier nicht 
eben suchen zu dürfen. Aber das stille Schlösschen ist drinnen, an 
Wänden, Schranken, Gesimsen, angefüllt mit den mannigfaltigsten 
künstlerischen Erinnerungen an Rom und Neapel, die unerwartet 
tausend heitre italienische Träume wach rufen; und der Moses ist 
ein Bildwerk, daran das Gemüth des Betraehtenden sich immer und 
immer auf's Neue anfzucrbauen vermag. 
 Ich muss eine nachträgliche Bemerkung hinzufügen. Verschiedene 
Platten, zum Theil gerade zu den ersten Abschnitten gehörig, waren nicht so zu 
Tage gekommen, wie es für den Zweck des Buches erforderlich schien. Einmal 
ist man wohl übermüthig, seltner zweimal. Ich habe die neue Ausführung der 
auf ihnen enthaltenen Radirungen nun doch einer fremden Hand überlassen müssen.
        

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