Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1484167
Studien 
Berlin 
der Umgegend. 
und 
103 
nereu Maassen zu liefern, und daher vermindert sich hier die Zahl der 
häufig ganz freistehenden dekorativen Theile des Sandsteinbaues, z. B. der 
durchbrochenem Spitzen der Hauptthürme, der zierlichen, thurmartigen 
Spitzen über den Strebepfeilern, der freistehenden Giebel über den Fenster- 
und Thürötfnungen, der schwebenden Bögen, welche oft die Streben des 
Seitenschiffes mit denen des Hauptschitfes verbinden, u. s. w. Die Orna- 
mente haben ein weniger starkes Relief und kehren, da sie häufig mit ge- 
wissen Formcn gemacht wurden, öfter wieder. Doch sind dafür die Pro- 
tilirungen, namentlich an den Einfassungen der Fenster und Thüren, höchst 
mannigfaltig, da eine starke Vertiefung der Glieder hier durch gebrannte 
Formsteine leichter erreicht wurde. Die Haupt-Horizontallinien (die Ge- 
simse), welche beim Sandsteinbau durch jene aufsteigenden Theile oft un- 
tcrbrochen wurden, treten wieder bedeutsamer hervor, und überall ist das 
Ganze massenhaftcr gehalten und zusammengehalten und wirkt auch auf 
diese Weise. 
Berlin, ein Ort, dem man gern alle Erinnerungen an die Zeit des Mit- 
telalters absprechen möchte  er hat freilich andre Erinnerungen, welche 
bedeutender sind,  besitzt drei (oder, mit Einschluss der kleinen Heiligen 
Geistkirche, vier) im Spitzbogcn gebaute Kirchen. Unter diesen ist die 
Klosterkirche, wenn auch nicht die schönste und grösste, doch die älteste 
und rnerkwürdigste, und zeigt, da noch keine neueste Restauration ihrer 
allerdings schlechten Beschaffenheit zu Hülfe gekommen ist, manches Alte 
in seiner ursprünglicheren Form. Wir haben über dieselbe und die ehe- 
mals dazu gehörigen Klostergebäude eine eigene kleine Schrift: „Das graue 
Kloster in Berlin mit seinen alten Denkmälern, von Bellermann, 1824," die 
uns in ihrem geschichtlichen Theile hie und da als Führer dienen möge. 
Die Kirche gehörte zu einem Franziskanerkloster, das sich, zwischen 
der Kloster- und neuen Friedrichsstrasse, von der Parochialkirche bis zur 
Königsstrasse erstreckte. Die Gründung der Kirche fällt in das Jahr 1271, 
zufolge einer der lnschriften über den Chorstühlcn in derselben, welche 
theils eben die Stiftung, tlicils den damaligen Umfang des Franziskaner- 
erdens angeben. Sie lautet, nach Beseitigung der Orthographie, folgender- 
inaassen: 
(Anno nzillesineo) ducentesirlzo LXXI illustrissinzi principes et domini, 
dominus Otto et donzinus Albertus, onarclziones brandenburgici, erga ordinem 
speeialz" devotioize permoti, aream, ubi praesens monasteriuvn est eonstruc- 
tum, fratribzzs contulerunt gratiose, perpetzie possidendutvz. .POSi 7106, 1111710 
clomini JVICCXC, strenuus miles, dominus Jacobus, domtvnlts de Nßbßde, 
donavit fratribus hzgus loci latericidivzanz (die Ziegelei), sztanz znten Tem- 
pelhoven et Beroliotunz. Sicque dictus miles et prmczpes praefatz, extzterzant 
istius claustri fundatores.   
Die eingeklammcrten Anfangsworte dieser Inschrift fehlen, indem das 
Brett, worauf dieselbe steht, bei irgend einer Gelegenheit verkürzt sein 
muss. Dasselbe findet bei dem entsprechenden Brett der gegenüber ste- 
henden Inschrift Statt. Auch in Hübners Chronik des Franziskaneror- 
dens durch Deutschland (München, 1686) wird das Jahr 1271 für die Grün- 
dung dieser Kirche angegeben. 
Das Kloster erlangte bald Bedeutung und Ansehen, und verschiedene 
Landesfürsten und andre vornehme Personen sind. in demselben beerdigt 
werden. In den Jahren 1471 bis 1474 wurde das Kapitelhaus gebaut, 
zufolge den lnschriftcn um Knauf und Base der vier Säulen, welche das
        

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