Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483021
AN 
JAKOB 
BURCKHARDT 
IN 
BASEL. 
Ich wollte Dir, mein lieber Freund, mit kurzen Worten sagen, 
was zu sagen am Eingange dieses Buches ein wenig Noth thut. 
Doch wird es mir heute fast schwer. Blicke ich aufwärts vor mich 
hin, wie man es pflegt, wenn man über ein Ding nachdenkt, so 
haftet mein Auge immer wieder an dem Moses von Michelangelo, 
der über dem Schreibtische steht; da klingt mir der Spruch des 
Altmeister-s Vasari im Ohr, dass man den Moses jetzt mehr wie je 
einen Liebling Gottes nennen könne, da er ihm vor allen Andern 
den Leib durch die Hand des herrlichen Michelangelo zur Auf- 
erstehung habe bereiten wollen; und die „immortal forma" des 
Moses scheint all der kleinen Nöthe zu spotten, die ich gehabt, um 
zum Begriff der Kunst und ihres Werdens zu gelangen, und von 
denen dies Buch mancherlei Zeugniss in sich trägt. Blicke ich zur 
Seite, so streift die Sonne das Rebengezweig draussen am Fenster, 
dass das Grün goldig schimmert und einen Rahmen für die Aussicht 
in den Park bildet, wie ihn der kunstreiehste Vergolder nicht schöner 
hätte machen können. Und durch das offne Fenster herein kommt 
Lindenblüthenduft und Pfeifen und Schmettern von allen Zweigen. 
Der Pirolz-Liii-iederholt mit unverwiistlieher Geduld seinen wunderlich 
eintönigen Loekruf, als wüsste er's, wie oft ich als Knabe mit seinen 
Verwafrßlääwiesprach gehalten, dass sie von Baum zu Baum und 
von AstiiiuAst näher herankamen und mir's verstatteten, mich am 
Anblick ihres goldglänzenden Gefieders zu erfreuen. 
Aber ich habe Dir nicht von meinem heurigen Landaufcnthalte 
zu erzählen; ich habe Dir von dem Buche, an welches ich hier die 
letzte Hand gelegt, eine kurze Rechenschaft zu geben. Sei es denn, 
so gut sich's heute, da das Ganze endlich druekbereit vor mir liegt 
und an den Abschluss mahnt, thun lassen will! 
Du hast, mein lieber Freund, manches Mal gelächelt, wenn ich 
Dich von meinen bunten Plänen unterhielt; Du weisst, wohinaus
        

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