Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479525
III. 
BILD 
ANTWEBPEN. 
wandung. Die Gestalten zeigen Anklänge an das Quattroeento 
und erinnern an Carpaccio und Bellini, ohne die originale Kraft, 
die wir in anderen Werken finden. Sonach gewinnt es fast den 
Anschein, als habe der Wunsch, einen alten wohlbekannten 
Typus beizubehalten, bis zu gewissem Grade lähmend auf des 
jugendlichen Meisters Leistung gewirkt. Kritiker der venezia- 
nischen Kunst sind in nichts so einstimmig wie in der Anerkennung 
der ernsten "senatorischen" Würde, welche venezianische Maler 
ihren Porträts zu geben verstanden. Hier haben wir zwei Arten 
von Porträts: den Pesaro nach dem Leben gemalt, in Stellung, 
Bewegung der Hände, dem entschlossenen Ausdruck des erhobe- 
nen Kopfes, in der Bewegung der Lippe und des Auges voll 
Wahrheit und Feuer; sodann Alexander VI., zu einem Heiligen 
idealisiert, jünger als er zur Zeit der Entstehung des Bildes er- 
scheinen konnte und wahrscheinlich nach einem älteren Porträt 
gemalt. Die malerische Fertigkeit in Hervorbringung der Modu- 
lationen der Natur ist aber so gross, dass wir nur schwer zu 
glauben vermögen, es habe dem Maler nicht Fleisch und Blut 
Modell gesessen. Aber auch hier  wie bei den geschilderten 
Bildern in Wien und Rom  scheint Palma Vecchio überwiegen- 
den Einiiuss geübt zu haben. Er zeigt sich in Form und Be- 
handlung der Draperie, in dem trüben Schleier der Umrisse des 
Fleisches und in seinemßegensatze zu der breiten Pinselarbeit 
an den Stoffen wie auch in der Abstufung des Tones. An Palma 
mahnen ferner die Uebergänge von warmem Lichte zu gebroche- 
nem Silbergrau, das in sehwarzgelbes Braun iliesst und die sorg- 
fältige Auftragung der Farben auf iiüssige Unterlage. Ebenso 
springen andrerseits die Aehnlichkeiten mit der Allegorie im Palast 
Borghese in die Augen, z. B. das Weiss und Roth, die Hand- 
schuhe und die fehlerhafte Zeichnung der Hände. Richtiges Ab- 
wägen der Harmonien, der Atmosphäre und der grossen Linien 
beim landschaftlichen Hintergrunde sind Eigenschaften, nach denen 
man auf tizianischen Bildern niemals vergeblich ausschaut. 
Auf diesem Wege schreitet Tizian Schritt für Schritt zur 
Höhe empor und fuhrt mit gesammelter Potenz eine neue, auf 
der Grundlage des venezianischen Quattrocento beruhende Kunst- 
 5x
        

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