Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479517
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ANFÄNGEW 
IN VENEDIG. 
111. 
später als 1503 gesetzt werden kann, denn Pesards Alter, wie 
er da vor S. Peter kniet, ist das eines Mannes zwischen vierzig 
und drei und vierzig Jahren, und Alexander VI., der von den 
Italienern aller Klassen verabscheut ward, würde nach seinem 
Tode (18. August 1503) schwerlich noch auf irgend einem Ge- 
mälde Platz gefunden haben. Auch der Stil, in welchem das 
ganze Bild ausgeführt ist, bekundet, wenn es auch flotter gemalt 
ist als die Borghesische Allegorie, doch eine Zunahme an Ge- 
schicklichkeit und Leichtigkeit der Hand, wie man sie wohl von 
der erweiterten Erfahrung erwarten darf; andrerseits verleugnet 
sich auch hier die verhältnissmässige Unvollkommenheit einer 
Kunst nicht, die noch der Zeit und der Musse zum Ausreifen 
bedarf. Die Porträts sind allerdings schon meisterhaft, aber die 
Gestalt des Petrus ist weder so gross, noch so männlich, wie 
Tizian sie einige Jahre später gemacht haben würde, und ab- 
gesehen von ihrem innern Interesse, sind die Einzelheiten des 
Thrones und seine relietgeschmückte runde Plinthe von der Art, 
dass sie die Unfertigkeit der künstlerischen Bildung des Urhebers 
an den Tag legen. Der Maler des Borghesischen Bildes war 
durch den angenehmen Effekt, welchen das griechische Mar- 
mor-Basrelief dort hervorbrachte, in sehr natürlicher Weise zu 
dem Missgriü verleitet worden, ein gleiches Ornament am Throne 
des Heiligen anzubringen; reiferes Urtheil würde ihm gesagt haben, 
dass ein Altar des Eros, dessen Schmuck seine Entstehung der 
Liebesleidenschaft entnimmt, für den Sitz des Apostel-Fürsten 
schlechterdings ungereimt sei, wenn er auch freilich für dessen 
damaligen Statthalter gepasst hätte. Seine Verwendung an dieser 
Stelle verräth bei Tizian die naive Bewunderung der Antike, 
aber noch nicht den Künstler, der nachmals so vertraut mit den 
Aufgaben und Zielen ward, zu denen ihn die Bekanntschaft mit 
der klassischen Skulptur in Toska-na anleitete. Es ist nicht ganz 
gewiss, ob die Bildfläche ihre ursprüngliche Grösse bewahrt habe, 
aber selbst das erklärt noch nicht, weshalb Petrus so majestäts- 
widrig in einem engen Winkel sitzt. Seine linke Hand ruht auf 
dem Evangelium, während er mit der rechten den Segen ertheilt 
 eine studierte Haltung mit gezwungener Geberde und Ge-
        

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