Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479366
CAP. 
EH 
CHRISTUS 
DER 
S. ROCCO. 
zu Grunde oder vermochte Vasari selbst nicht zu unterscheiden, 
mit welchem Meister er es zu thun hatte? Er äussert allerdings 
auch Zweifel bezüglich anderer Bilder von Tizian. Die Beurthei- 
lung des Christus in S. Rocco bietet jetzt in der That grosse 
Schwierigkeiten, da die Zeit und die Unvernunft der Menschen sich 
an dem Werke versündigt haben. Imposant ist es aber selbst in 
seiner gegenwärtigen traurigen Verfassung noch. Es hat den Far- 
benschmelz und der Körper zum Theil seine Fleischtinten ver- 
loren, aber es bewahrt noch immer edles Gleichgewicht von Licht 
"und Schatten und zeigt den geistvollen Pinsel eines Malers, der 
in keiner Weise dem Giorgione nachsteht. In einer Beziehung, 
und nur in dieser einzigen, dürften wir vielleicht einen Beweis 
von Tizian's verhältnissmässiger Unerfahrenheit erkennen. 
Von den vier Figuren des Bildes sind zwei Zuschauer; einer 
rechts im Dunkel des Hintergrundes, der andere links deutlicher 
hervortretcnd. Zwischen beiden zieht ein roher Henkersknecht 
den Heiland, der sich unterm Kreuze niederbeugt, am Strick. 
Der Erlöser selbst ragt majestätisch hervor, wie er das edle Antlitz 
in concentriertem Lichte dem Beschauer zuwendet. S0 unvergleich- 
lich die Gestalt und der über-irdische Ausdruck Christi aber auch 
sein mögen, können sie unser Auge doch kaum blind machen 
gegen ein gewisses Missiverhältniss zwischen der Grösse des Kopfes 
mit den übrigen Figuren, und dieser Fehler ist viel weniger einem 
Manne auf der Höhe seiner Kunst, wie Giorgione damals gewesen 
sein muss, zuzuschreiben, als einem Künstler," der im Eifer der 
Jugend ein Gesetz der Oomposition ausser Acht lassen konnte. 
Abgesehen von diesem Mangel ist das Bild mit der Sorgfalt aus- 
geführt, die Giorgione auszeichnete, mit einer Meisterschaft und 
Breite, aber mit einer Kargheit an Farbenkörper, die durch 
und durch giorgionesk ist, und mit einer Zartheit in der Model- 
lierung und Mischung, welche grosse technische Geschicklichkeit, 
verbunden mit eingehender Beobachtung der Natur verrath. 
Indem wir der Laufbahn eines so geistesbehenden Künstlers 
nachgehen, werden wir hier wiederum weit über die Tage seiner 
Jugend hinausgeführt. Zugegeben, er habe die Bilder in S. Rocco 
gemalt, müssen wir dabei- im Auge behalten: erstens, dass er 
Venedig, 
S. Rocco.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.