Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479339
EFÄÄE 
IN VENEDIG. 
CAP. 
I2 
dem die Gefahr einer unpoetischen, lüsternen Behandlung recht 
nahe lag.  
An den kirchlichen Compositionen im engeren Sinne, gleich- 
viel ob in Halb- oder Volliiguren behandelt, lässt sich dem Wachs- 
thum der künstlerischen Kraft des jungen Meisters bis zu ihrer 
Entfaltung in der Zeit der Paduanischen Reise oder der späteren 
Verbindung mit Ferrara ohne Schwierigkeit nachgehen. Am Ende 
dieser Wegstrecke seiner Laufbahn ragt der grossartige Christus 
mit dem Zinsgroschen hervor, aber die Entstehung eines der in 
diesen Zusammenhang gehörigen Gemälde nach den Jahren zu 
bestimmen, vermögen wir kaum; wir müssen uns begnügen, zu 
wissen, dass sie einen Gedankengang repräsentieren, der oft unter- 
brochen, aber immer wieder von Neuem aufgenommen worden, 
bis der Strom voll und der Stoff erschöpft ist. 
Wien, Neben dem reizenden Madonnenbilde im Belvedere, welches 
Behedere" als eine der frühesten Schöpfungen Tizian's anerkannt werden 
darf, entzückt uns in derselben Sammlung eine zweite Darstellung 
der Maria mit dem Kinde, dem Knaben Johannes und zwei männ- 
lichen Heiligen, als Erzeugniss einer reiferen Zeit des Künstlers. 
Man sieht beim Vergleich beider Bilder recht deutlich, dass nicht 
allein zwischen der Vollendung des ersten und des zweiten Jahre 
liegen, sondern dass bereits ein gutes Stück des Weges durch- 
messen ist, der zu dem Christus des Zinsgroschens führt. Vor 
diesem letzteren Bilde kommt ein anderes in der Scuola di San 
Rocco in Venedig in Betracht, das den ßchmerzensmann" dar- 
stellt und  die Echtheit vorausgesetzt  von einer zeitweiligen 
Anlehnung an Giorgione Kunde gibt. 
Venedig, Der hier verkörperte Vorwurf ist vielleicht unter allen von 
3931363; Tizian behandelten Stoffen derjenige, den man am eigentlichsten 
als venezianisch bezeichnen kann. Es war ein Lieblingsgegen- 
stand Von Antonello, der ihn mehrmals mit seiner realistischen 
Kraft wiederholt hat, aber er war bisher so behandelt worden, 
dass dadurch mehr die äussseren Zeichen des Leidens als die 
inneren, die Ergebung in den Schmerz zur Anschauung gebracht 
 worden waren. Der Erlöser ist hier wirklich leidend dargestellt, 
das Gesicht gesenkt, die Arme über einander gelegt. Die bei
        

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