Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479278
ANFÄNGE IN VENEDIG. CAP. III. 
des vorausgehenden, so erhalten wir, allerdings in unbestimmten 
Umrissen, ein Bild der Bedingungen, unter welchen die Maler 
arbeiteten. Ihre Kunst war das Geschäft einiger grosser Meister 
und zahlloser Mittelmässigkeiten. Die heranwachsende Generation 
bestand aus Jünglingeu von sehr verschiedenen Gaben und Aus- 
sichten, die Sämmtlieh abhängig waren von einem Publikum mit 
sehr ungleiehartigem Geschmack. Für Männer mit geringen peku- 
niären Mitteln war der Weg zur künstlerischen Höhe durch viele 
Hindernisse versperrt. Manche Waren genöthigt, ihren Lebens- 
unterhalt durch Möbel-Dekoration zu erwerben." Andere malten 
Bilder auf Spekulation und stellten sie in den Läden der Händler 
aus, welche sich in den die Piazza, von S. Marco mit der Brücke 
des Rialto verbindenden Strassen aneinander reihten. In diesen 
Strassen, die man mit dem Gesammtnamen der "Merceria" be- 
zeichnete, wegte der Hauptstrom des Verkehrs; günstige Aufstel- 
lung eines Bildes an den Schaufenstern dieser Strassen galt als 
geeignetes Mittel, um Aufträge zu erhaltenfi Der Sinn des vene- 
zianischen Publikums War aber für Würdigung von Gegenständen 
häuslicher und intimer Art noch nicht geweckt; ständiger Nach- 
frage erfreuten sich lediglich die „ernsten religiös-pedantischen 
Sachen. "w 
Indess für das dreistere Völkchen, welches den Schwierig- 
keiten der Wandmalerei die Stirn bieten konnte, stand noch ein 
anderer Weg offen. Die Venezianer liebten es, die Front ihrer 
Häuser ausschmücken zu lassen. Bei den Bau-Contrakten über- 
nahmen die Architekten oft die Verpflichtung, Fresko-Dekoration 
anbringen zu lassen, und ein grösserer Palast in recht günstiger 
Lage konnte, wenn solche Gemälde geschickt ausgeführt waren, auch 
einem jungen Manne höchst lohnende Praxis verschaffen. Unmit- 
telbare Verbindung eines reichen Patriziers mit den Malern ge- 
hörte jedoch zu den grossen Seltenheiten; vielmehr geschah es 
dell" 
14 Ridolfi, Maraviglie I. S. 321, 322, 328. 
15 Ridolfi a. a. O. II. S. 177, 178. 
1G Ridolfi a; a. O. I. S. 322: "tenendo 1a cittiv. ancora 
di gradiro quella sortc di figuxo divote e diligenti." 
antica 
opinione
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.