Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479269
III. 
KUNSTUNTERRICHT 
KÜNSTLERLEBEN. 
UND 
und hier wird sich aueh Tizian Heissig getummelt haben, um- 
so mehr, da Gentile Bellini unweit wohnte. Das Haus des 
Meisters lag in „ Rivoalto "11 und scheint ein wohlbekanntes Gebäude 
gewesen zu sein, nicht allein weil es von Bellini selbst mit Bil- 
dern und Mosaiken geschmückt war, sondern weil es eine Samm- 
lung von Antiken beherbergte, die von den Kritikern hoohgesohatzt 
ward, denn es befand sieh darunter ein Plato-Kopf und eine 
Statue der Venus von Praxitelesfi 
1er 
Vasari hat darauf hingewiesen, dass die venezianischen 
seiner Periode keine Antiken-Museen hatten und sich 
Künst- 
darauf 
beschränkt. sahen, die Kunst nach der trockenen, nüchternen 
Manier, die damals an der Tagesordnung war, zu studieren. Ein 
Mediceer-Garten freilich, der den jungen Leuten die reifen Früchte 
klassischer Kunst genuss- und lerngerecht entgegenbrachte, war 
nicht zur Hand. Auch ist es vollkommen begründet, dass Tizian, 
wie Vasari ferner sagt, anfänglich in jener sorgfältigen und ge- 
nauen ltlanier zeichnete, Welche die Bellinische Schule charakte- 
risirtfa Nichtsdestoweniger ist es Irrthllm, wenn behauptet wird, 
die Antike sei den Venezianern fremd gewesen und Tizian 
habe die Griechen nicht gekannt und kein Verständniss für die 
Schönheiten der klassischen Skulptur gehabt. Ganz im Gegen- 
theil war er ein Bewunderer der alten Bas-Reliefs und wir werden 
ihn oft genug als eifrigen Nachbildner vor Werken antiker Kunst 
antreifen. 
Versucht man, auf Grund der Kenntniss des Zustandes der 
venezianischen Maler in der ersten Hälfte des seehszehnten Jahr- 
hunderts einen Schluss auf den ihrer Vorgänger an der Wende 
 
11 Das Testament däs Gentile Bellini, dessen Original sich im Archivio nota- 
rile zu Venedig befindet, beginnt: „In nomine Dei etc. 1506 ms Febiij die 18 
Ind. X. R[iv0al]ti" (s. Cr. und  Gesoh. der ital. Malerei, deutsche Ausgabe V. 
S. 134, 135). 
1? Vgl. Gentilds Testament und Pierio Valeriands Verse ,.De marmoreo Pla- 
tonis capite apud Bellinos Venetiis" und das Epigramm des Raffaele Zovenzonio 
auf die Venusstatue, beide erwähnt bei Morelli, Notizia (Tapete di disegno (Ano- 
nimo) Bassano 1800, S. 193, 194. 
13 Vasari XIII. S. 13. 
        

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