Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479249
CAP. 
ZU 
BEZIEHUNG 
DEN 
BELLINI 
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keiten der Oelmalerei mit der Gewissenhaftigkeit des Tempera- 
Vortrags zu verbinden, mit welchem Geschick er die Verfeinerung 
des Modells im correkten Umriss zur Geltung zu bringen verstand 
und beides durch effektvollen Glanz des Tones, harmonische Far- 
bencomposition und breite Licht- und Sehattenführung in freier 
und sicherer Behandlungsweise hervortreten liess. Carpaccio stand 
im Begriff, seinen imposanten Bilder-Oyklus zur Legende der 
heiligen Ursula zu componieren; Antonello von Messina, der grösste 
Porträtmaler seiner Zeit, der neben Giovanni Bellini zu Giorgi0ne's 
gefeierten Vorbildern gehörte, war noch in Thätigkeit. Cima 
schickte sich an, durch die Schöpfung jener Altarbilder, welche 
uns noch heute vermöge ihres Ernstes und ihrer doch kindlichen 
Weihe entzücken, als Colorist mit Giovanni zu wetteifern. In 
der Halle des grossen Rathes arbeitete Giovanni Bellini unter 
der Oberleitung seines Bruders und mit Luigi Vivarini als Rivalen; 
und als junge zukunftreiche Männer, welche der Kunst ihrer 
Heimath erst den Stempel aufdrücken sollten, begannen Giorgionc 
und Palma eben damals ihre stolze Bahn. 
Tiziarfs Beziehungen zu Bellini und seinen Schülern nachzu- 
weisen, kann nur versucht werden. Wir nehmen an, Tizian sei 
zuerst zu einem unbekannteren Künstler in die Lehre gekommen, 
aber nach Ablauf der üblichen Probezeit in die Werkstätten von 
Gentile und Giovanni gewandert, als Genosse von Palma und 
Giorgione, mit denen er möglicher Weise zu gemeinsamen Arbeiten 
verbunden gewesen ist. Wir dürfen dabei nicht ausser Acht 
lassen, dass im Jahre 1488 die venezianische Malerei sich in einem 
Uebergangsstadium befand. Die Tempera war nicht mehr das 
Medium, in welchem zu arbeiten grosse Meister sich willig fanden, 
wenn man auch die Schüler noch in der alten Malweise unter- 
richtete. Die Männer aber, welche jetzt die Oelpigmente ver- 
wendeten,' waren den grössten Theil ihres Lebens in den Tradi- 
tionen der Tempera thätig gewesen. Die sorgfältigen Prozesse 
und minutiösen Gewohnheiten des alten Systems hafteten ihnen 
bei Aufnahme des neuen noch an, wogegen sich bei der jünge- 
ren Generation bereits der Hang bemerkbar machte, die Bequem- 
lichkeiten, welche die Oelmalerei  einmal erlernt  natu1'-
        

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