Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479237
ANFÄNGE 
IN VENEDiG. 
CAP. 
III. 
denn er War zu einer nicht näher zu bestimmenden Periode Syn- 
dikus der Maler-Gilde in Venedigfi Was hilft das aber zur Auf- 
hellung des herrschenden Dunkels? Wir können wohl vermuthen, 
dass er dem Knaben den ersten Unterricht ertheilte, es fehlt uns 
jedoch schlechterdings der Boden zu Weiteren Entdeckungen. Die 
Thatsachen, von denen aus man die Schritte verfolgen müsste, 
welche Tizian zu der glänzenden Stellung führten, die er in den 
ersten Jahren des sechszehnten Jahrhunderts erreichte, sind somit 
sehr dunkel und unbestimmt, dafür liegt jedoch der Zustand der 
zu seiner Zeit in Venedig blühenden Kunst olfen vor unseren 
Blicken, und dadurch und mit Hilfe der Fingerzeige, die uns die 
Literatur der in Rede stehenden Periode bietet, wird es möglich 
werden, die" Wegstrecken einiger Maassen zu verfolgen, die unser 
Held zurücklegte.  
Wenn wir annehmen, Tizian sei um das Jahr 1488 von den 
Bergen Cadore's herabgekommen, so stellen wir damit zugleich 
den denkbar günstigsten Zeitpunkt für seine Ausbildung fest. 
Gentile Bellini hatte damals zwar sein grosses Ceremonienbild 
ndie Procession mit der Reliquie" noch nicht abgeschlossen, aber 
dieses Meisterwerk historischer Composition war wahrscheinlich 
eine der ersten grossen malerischen Leistungen der Gegenwart, 
die der Jüngling in der Zeit zu sehen "bekam, in Welcher er die 
früheste Schulform abstreifte. Gleichviel, ob Gentile und Tizian 
in der Stellung als Lehrer und Schüler sich gut oder schlecht 
vertragen haben, zweifellos war Gentile ein grosser Maler. Er 
war sicher der ernsthafteste, gelehrteste und fühigste Künstler 
seiner Zeit. Kein Venezianer vor und nach ihm ist mit den Ge- 
setzen der Perspektive und Composition so vertraut gewesen wie 
er. Giovanni, glänzender aber nicht so umfassend und gründlich 
begabt wie der Bruder, hatte noch kein Werk von so durch und 
durch modernem Charakter geschaifen wie seine Madonna in S. 
Zaccaria, aber die Madonnen bei den Frari oder in S. Maria zu 
Murano zeigten doch schon, in welchem Grade er die Leichtig- 
 
Zanetti, Pittum venez. 
Zweite Ausg. 
Venedig
        

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