Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479032
20 GESCHICHTLICHE EINLEITUNG. 0:43. I. 
 
der Töne und kräftige Schattengebung kam Giovanni der Wirk- 
lichkeit in ihrer ruhigen Erscheinung naher als irgend ein anderer 
Meister des damaligen Venedig, wenn ihm auch die energische 
Ausdruckstähigkeit, wie sie das neue Bindemittel den Malern zur 
Verfügung stellte, damals noch fremd war. 
Es brauchte einige Zeit, ehe das in seiner Wirkung so über- 
zeugend von Antonello da Messina eingeführte Verfahren der 
Flandrer, die Farben mit Firnissbestandtheilen zu mengen, festes 
Handwerkseigenthum der Venezianer wurde. Als dies aber er- 
reicht war, entwickelten sich die Eigenthümlichkeiten ihres male- 
rischen Stils, die bisher keimartig geschlummert hatten, zu un- 
geahntem Leben. Die Farben begannen Töne anzunehmen, welche 
an Pracht und Leuchtkraft mit den venezianischen Tünchen, mit 
dem Glasfiuss von Murano und den über Alles hoehgeschätzten 
morgenländischen Webereien wetteifern konnten. Nun boten auch 
die Baulichkeiten der Stadt in ihrem Reichthum dem Meister 
Gentile Bellini Gelegenheit, in seinen Hintergründen eine manig- 
faltige Scenerie zur Schau zu stellen, die bislang unter der Herr- 
schaft des trockenen Temperaverfahrens nicht entfernt zu er- 
reichen War. Carpaccio belauschte die Natur der Canäle, die 
Buchten Dalmatiens und Istriens, die Hafen der Adria und ver- 
werthete seine Studien mit ganz neuem Effect, indess Giovanni 
Bellini sich an die milderen Reize der paduanischen Ebene mit 
ihrem fernen Alpensaume hielt. 
Der älteren gesellte sich bald eine jüngere Maler-Generation, 
 die Cima, Basaiti, Previtali, Palrna  welche, von Brescia 
und. Bergamo her oder aus dem friaulischen Hügellande nach 
Venedig strömend die eigenthümlichen Natureindrückc der Hei- 
math mitbrachten und den Umkreis des malerischen Gebietes er- 
weitern" halfen. 
Die Venezianer verloren, wie wir gesehen haben, die Herr- 
schaft über die Meere; sie entfalteten ihre Kräfte auf dem Fest- 
land, indem sie eine Nachbar-Provinz nach der anderen er- 
oberten. So wurde die Stadt zu einem Mittelpunkte italieni- 
scher Bildung, was sie vordem nie gewesen war. Nun konnte 
auch erst die Einwanderung künstlerischer Talente wahrhaft ge-
        

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